Dieses Jahr Konsumfasten

Veröffentlicht am: 14. Februar 2018 |

Karneval ist vorbei und die Fastenzeit beginnt. Alternative Fastenarten werde dabei immer beliebter und zwar zu recht. Denn Fasten bedeutet viel mehr als reines weglassen. Wer die Chance nutzt hinzuhören, was in einem passiert, der kann so einiges entdecken.
Nicht-konsumieren, bedeutet zwar verzichten. Verzicht bedeutet aber nicht zwangsläufig, Entbehrung und Verzehrung. Ganz im Gegenteil, wer sich länger dem bewussten Konsumverzicht hingibt, stellt eine ganze Menge positiver Nebeneffekte fest. Hier meine Top Ten.

1. Weniger Müll

Natürlich ist mein Lieblingsgrund um weniger zu kaufen der: Weniger kaufen = weniger wegschmeißen! Es entsteht weniger Müll, der teuer entsorgt werden will und unsere Umwelt belastet. Es werden weniger Ressourcen verbraucht und weniger Schadstoffe für die Produktion freigesetzt.

2. Mehr Platz

Alles was gekauft wird, muss zu Hause einen Platz finden. Oft sind es die kleinen Dinge, die zwar schnell in der Schublade verschwinden, aber in der Summe ganze Kartons füllen. Aber auch so manche Arbeitsplatte ist nicht mehr erkennbar unter der Fülle, der Küchengeräte, die darauf stehen. Wer einmal richtig kräftig aussortiert, wird eine Freiheit und Entlastung spüren, wie es keine Kaufentscheidung möglich macht. (Bitte nicht wegschmeißen, sondern verschenken)

3. Konzentration aufs Wesentliche

Die Kaufentscheidungen fallen immer schneller. Oft wissen wir gar nicht, welche Dinge wir brauchen und welche wir nur gerade gerne mal hätten. Wenn ich etwas zu brauchen meine, so nehme ich mir ein paar Wochen Zeit zu überlegen, ob ich das gewünschte wirklich brauche. Ist der Bedarf nach der Zeit immer noch da, weiß ich, dass ich es brauchen werde und auch wirklich haben will.

5. Shopping is voting

Der Spruch zeigt, dass wir als Konsument eine unglaubliche Macht haben. Nämlich die Macht uns frei zu entscheiden, wem wir unser Geld geben. Gerade wer versucht bewusst, sozial und umweltschonend zu konsumieren, hat es schwer, denn ein Haken lässt sich immer finden. Ist die Baumwolle auch Bio? Was ist mit dem Nähgarn? Die Verpackung? Wo ist es hergestellt? Wie wird es transportiert? Wer hat es hergestellt und unter welchen Bedingungen? Usw. Sich „Grün“ zu kaufen ist jedoch ein Trugschluss der in pfiffigen Marketingargenturen erfunden wurde. Die beste Kaufentscheidung ist aus ökologischer Sicht tatsächlich der Nicht-Kauf.

6. Zeit

Shoppen und konsumieren ist in unserer Gesellschaft mittlerweile als Freizeitbeschäftigung anerkannt und verwurzelt. Das Auseinandersetzten mit Produkte, vom Anschauen der Werbung, über das Auswählen, dem Kaufprozess bis hin zum Studieren der Gebrauchsanweisungen verbraucht jede Menge Zeit. Gerade in der Weihnachtszeit bekommen wir das sehr zu spüren. Die Deadline des heiligen Abends liegt zudem im Nacken und so artet die „Freizeitbeschäftigung“ nicht selten in Stress aus. Wer weniger konsumiert, nicht mehr als Selbstzweck, sondern wieder als Mittel zum Zweck, der mag zuerst von gehöriger Langeweile befallen werden. Diese Langeweile bietet aber die große Gelegenheit, Projekte, Vorhaben und Träume anzugehen, für die sonst nie Zeit war, oder gar sich freiwillig für seine Gesellschaft zu engagieren.

7. Wahres Glück

Kaufen befriedigt! Das kann ich so stehen lassen, denn ich kenne das Gefühl noch gut. Allerdings weiß ich auch noch, dass das Gefühl nicht von Dauer ist. Schnell wird das Glück abgelöst durch neue Dinge, die man unbedingt haben will. Es ist eine Dauerspirale aus Bedürfnis und Erfüllen und es ist nie genug, ganz egal wie viel man schon hat. Oder wie ließe es sich sonst erklären, dass es bei Gehältern keine Obergrenze gibt. Dabei nicht mehr mitzumachen bedeutet eine Betäubung wegzulassen, die uns Jahrelang ruhig gestellt hat. Wenn uns der Konsum nicht mehr befriedigen soll, was ist es dann? Wir können die Chance nutzen, um das herauszufinden, was uns wirklich tief und dauerhaft glücklich und zufrieden macht.

8. Klingelnde Kasse

Konsumieren, bedeutet Geld ausgeben. Deshalb bedeutet nicht zu konsumieren auch kein Geld auszugeben. So wird ohne es bewusst drauf anzulegen jede Menge Geld frei, um sich vielleicht einen langersehnten Traum zu erfüllen, Geld zu spenden und den eigenen Wohlstand zu teilen oder gar seine Arbeitszeit zu reduzieren oder seinen Job zu wechseln und seine Lebenszeit mit Dingen zu verbringen, die einen wirklich ausfüllen.

9. Zerstörte Märkte

Auch das Argument, wir müssten viel konsumieren, um die produzierenden Länder zu unterstützen lässt sich schnell aushebeln. Am Beispiel der Kleidungsindustrie zeigt sich, wo es teilweise um Leben und Tot geht, dass unser Konsum nicht zum Wohlbefinden anderer Bevölkerungen beiträgt, sondern lediglich eine Armutsspirale am Leben hält. So schnell wie die Kleidung gekauft ist, wird sie auch wieder aussortiert. Es fallen solche unglaublichen Mengen an entsorgter Kleidung in der „westlichen“ Welt an, dass sie containerweise nach Afrika verschifft wird. Dort überschwemmen unser Alt-Kleider die heimischen Textilmärkte, zerstört die Lebensgrundlagen der heimischen Bevölkerung und macht sie abhängig, abhängig von unserer Hilfe. Unser Konsum ist kein Segen sondern ein zunehmender Teufelskreis.

10. Wertschätzung

Eines der Phänomene unserer Überflussgesellschaft ist nicht nur, dass wir nie genug bekommen, sondern auch dass uns die Wertschätzung für alles was ist, abhanden gekommen ist. Das was wir haben gefällt uns nicht und wir wollen ständig etwas anderes, etwas neues und mehr davon. Wir reparieren nicht mehr, restaurieren nicht sondern tauschen nur aus. Wer aufhört zu konsumieren bekommt diese Wertschätzung schnell wieder. Der sieht weniger Müll und mehr Wertstoff, repariert und stopft Socken.

 

Was sind eure Lieblingsvorteile von weniger Konsum?

4 Comments to Dieses Jahr Konsumfasten

  1. Carmen schreibt:

    Hallo,
    spannend verfolge ich seit ein paar Tagen Deine Blogrubriken. Ich finde es toll wie du den “goldenen Mittelweg“ beschreitest, weiter so! Back to the roots so gut es für’s eigene Gewissen machbar ist.
    Seit ein paar Tagen mache ich mir Gedanken über Lebensmittel und möchte mich auf andere Pflegeprodukte umstellen. Eine Liste ist in Bearbeitung. Immerhin habe ich bereits meine eigene simple Zahnpasta hergestellt. Ob da mein Mann mitzieht denke ich nicht. Aber das ist aus Krankheitsgründen ein anderes Thema. Denke in den nächsten Wochen werde ich bei euch reinschauen mit meiner Liste und mich informieren.

    Vor gut 4 Jahren habe ich mir abgewöhnt Kitsch und Klimbims zu kaufen und muss sagen es war zwar schwer aber mittlerweile leben wir prima damit. Es geht um Dinge die wirklich nicht Lebensnotwendig sind! Ich bin Jahrgang 1976 und komme aus einem Haushalt wo viel Wert auf Wiederbenutzung/ Reperatur/Selbstgemacht gelegt wurde.

    Ich lege euch beim shoppen einen Tip ans Herz, fragt euch: BRAUCHE ICH DAS WIRKLICH? Einfache Frage die sich schnell mit ja oder nein beantworten lässt. Die paar Wochen Bedenkzeit habe ich mir auch mal eingeräumt aber nach einem Monat rigoros ausgeblendet weil ich bestimmt nicht 2x in denselben Laden fahren möchte für ein Ding, also Zeit und Sprit gespart.
    Zum leben braucht man wirklich nicht viel, man kommt mit einer Tasche auf die Welt und man geht mit einer Tasche von dieser Welt.

    Für den Mann: So ganz langsam schleichend anfangen, meiner hat es nicht wirklich mitbekommen als der Microfaser-Spüllappen durch ein Handtuchlappen ersetzt wurde. 🙂
    Nun gut, meiner würde gar nicht auf die Idee kommen ausgerechnet soetwas zu kaufen, da schleppt er lieber die Papierrolle an…der kann sich das entfetten auf Geschirrtüchern nicht vorstellen. Auch würde damit sein Taschentuch, Wischtuch weggenommen werden. Mir ist das Ding schon sehr lange schon ein rotes Tuch.

    Kopf hoch, weitermachen so gut wie es geht, wenn auch mit Einschränkungen.
    *wink*
    Carmen

  2. Christine schreibt:

    Hallo Olga,
    Eine tolle und sehr treffende Zusammenfassung.
    Danke

  3. Ela schreibt:

    Super Beitrag Mal wieder!!!!
    Ich mach das auch so mit dem nur was gebraucht wird. Unser Kühlschrank sieht manchmal aus wie …die ziehen bestimmt aus 😋
    Aber ich hätte gerne Mal einen Tipp …ich miste und Kauf nur was benötigt wird und mein Mann schleppt dauernd was an.. missionieren will ich nicht, aber ärgern tut’s mich trotzdem. Gibt’s da den berühmten Zaunpfahl????
    War schon eine grosse Diskussion als ich seine ach so geliebten Microfaserlappen verbannt hab.

    • Olga schreibt:

      Danke 🙂
      Versuch es vielleicht mal mit den Mitteln der gewaltfreien Kommunikation. Erkläre ihm, warum du tust was du tust und was es bei dir auslöst, wenn er soviel anschleppt.
      Denn du hast schon Recht, Forderungen und missionieren bringt nichts. Wenn du es schaffst, dass er dich wirklich versteht, dann macht er vielleicht mit.
      Kleiner Tipp: Nix aussortieren was ihm gehört 😛

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