Der Kleiderschrank

Veröffentlicht am: 3. August 2013 |

Die Frau und das Shoppen.

– Untrennbar wie es immer heißt. Nun ja, neue Klamotten lösen schon irgendwie Glücksgefühle aus. Leider kann ich seit einiger Zeit die handelsübliche Kleidung mit meinen ethischen Gefühlen nicht mehr vereinbaren. Zu viel ausbeuterische Landwirtschaft, zu viel Chemie, zu schlechte Bedingungen für die produzierenden Menschen und bei der Qualität muss ich einfach immer wieder an geplante Obsoleszenz denken. Da mein Kleiderschrank sowieso viel zu klein ist, für all die Kleidung, die ich habe und es immer wieder vorkommt, dass ich Kleidungsstücke finde, die ich seit Jahren nicht gesehen habe, habe ich das shoppen bis auf das notwendige weitestgehend an den Nagel gehangen.

Bis man dann wirklich mal etwas braucht. Die alte Jeans ist mittlerweile an beiden Pobacken so durch, dass ein Flicken auch nicht mehr hilft. Auf der Suche nach, für mich vertretbarer, Kleidung habe ich das Internet rauf und runter gesucht. Und beim Internet ist es auch geblieben, denn der Versuch tatsächliche Geschäfte zu finden, ist kläglich gescheitert. Wer gerne enge Jeans trägt, weiß welch ein müßiges Unterfangen es ist, ohne Anprobieren, die richtige Hose zu finden. Und die Klamotten ständig mit der Post hin und her zuschicken, kann es ja auch nicht sein.

Umso erleichterter bin ich nun, nachdem ich herausgefunden habe, wie Bea aus dem Zero Waste Home mit dem Thema umgeht. Sie ist wohl der beste Beweis dafür, das öko nicht immer öko aussehen muss und somit auch für `ganz normale´ Menschen in Frage kommen kann. Ich fasse es mal zusammen:
Bea hat einen minimalen Kleiderbestand. Genau zweimal im Jahr geht sie einkaufen, einmal im Frühling und einmal im Winter. Für die Kleidungsstücke, die sie neu kauft, gibt sie alte ab. So hat sie immer neue Klamotten und nie einen zu vollen Kleiderschrank, in dem man nichts findet. Der Clou dabei ist natürlich, keine neuen Klamotten zu kaufen, sondern ausschließlich Second-hand. Damit gibt sie im Schnitt weniger Geld aus, als würde sie ständig neue Klamotten kaufen und sie alle behalten.
Und wenn man es genau nimmt hat sie natürlich recht. Ökologischer als Ökokleidung zu produzieren ist immer, gar nichts Neues zu produzieren. Das ist ne harte Nummer. Zwei volle Säcke habe ich schon aussortiert. Meinen Kleiderschrank derart auszumisten werde ich dennoch wohl so schnell nicht schaffen.

Kleiderschrank

Mein Kleiderschrank

Aber wenn ich es mir recht überlege, finde ich immer noch allerhand Stücke, die ich ca. einmal im Jahr anziehe, nur um ihre Existenz zu rechtfertigen. Was für eine nervliche Belastung, wenn ich es mir recht überlege. Wäre es nicht toll, wenn man nur Lieblingsstücke im Schrank hätte?! Aber wohin mit den nicht mehr gebrauchten Kleidungsstücken? Die Altkleidersammlungen sind zwar umstritten, meiner Meinung nach aber trotzdem bei weitem besser, als wegschmeißen. Doch die wirklich guten Sachen, die Sachen, die wirklich schön sind, die man aber trotzdem nicht mehr anzieht, was macht man damit? Mein letzter Besuch im Second-Handladen, mit dem Ziel, Kleidung loszuwerden, verlief eher traurig. Wenn man schon herabwertend angeschaut wird, was man denn da für Zeug anschleppt, ist man irgendwie für die Zukunft gehemmt 😉
Was macht ihr mit eurer aussortierten Kleidung?

Den Hürden zum Trotz, mein Plan ist gefasst: Langsam trennen lernen. Und es wirklich mal probieren Gebrauchtes zu kaufen…

12 Comments to Der Kleiderschrank

  1. Melanie schreibt:

    Bei uns im Ort gibt es Kleidersammlungen über die Kirche. Diese werden mit einem Schiff zu einem Pater geschickt, der auch aus unserem Dorf stammt. Vielleicht gibt es in der Nähe bei euch ja was ähnliches?

  2. Simon schreibt:

    Ich tu meine Kleider zur Tafel. Da sind die ruckzuck weg und ich weiß, dass sie hier im Umkreis bleiben.

  3. Jennifer Rudolf schreibt:

    Ich arbeite in einem Kinderheim.
    Kleidung die wirklich noch gut aussieht / erhalten ist nehme ich mit zur Arbeit.
    Es gibt immer wieder Kinder und Jugendliche die sich über Kleidung freuen.
    Auch in meinem Familien und Freundeskreis habe ich diese Möglichkeit verbreitet.

  4. Brigitte schreibt:

    Ich bringe meine Klamotten die mir nicht mehr passen auf Damenbasare, dort kaufe ich auch meine „neuen“ Klamotten ein, gibt es jeweils im Frühjahr und Herbst. Das gleiche mache ich natürlich auch mit den Sachen aus denen mein Kind herausgewachsen ist. Ich stelle mich nicht gerne als Verkäufer auf den Flohmarkt, sondern gebe die Sachen auf Kindersachenbasare ab und hole am nächsten oder übernächsten Tag die nicht verkaufte Ware und das Geld für die verkauften Sachen.

  5. Pingback: Olga

  6. Kathy schreibt:

    Vielleicht gibt es in eurer Stadt ja eine sogenannte Give-Box. Das sind ganz kleine Boxen wo du deine Sachen umsonst hinbringen kannst und dir auch was mitnehmen kannst.
    So gesehen eine kleine Tauschbörse.

    • Olga schreibt:

      Danke für den Tip. Ich habe das direkt mal recherchiert und wir haben tatsächlich so eine Give-Box in Köln Ehrenfeld (wo auch sonst 😉 ). Da werde ich bestimmt demnächst noch einen eigenen Artikel zu veröffentlichen und eine Menge Sachen hinbringen.

  7. Ulrike schreibt:

    Sehr interessantes Projekt, das Du hier verfolgst! Ich bin gespannt, welche Inspirationen ich hier noch erhalten werde.

    Aber zu Deiner Frage:
    Meine Klamotten gehen alle erst einmal zum großen, bunten Online-Auktionshaus. Natürlich nur die Dinge, für die ich selber noch Geld bezahlen würde. Wenn ich dafür zu faul bin oder einige Teile nicht online gekauft wurden, gebe ich meine Kleidung auch direkt bei diesen „Wohltätigkeits-2nd-Hand-Läden“ wie Oxfam oder Humana ab:
    http://www.humana-second-hand.de/mode/shops.html#koeln
    http://www.oxfam.de/shops/koeln-neustadt

    Für den ganzen kaputten Rest gibt es ja irgendwie immer Bedarf an Putzlappen (Muss man keine neuen kaufen = keine Verpackung) oder sonst irgendwelchen Recyclingideen. Das Internet ist voll davon. 🙂

    • Olga schreibt:

      Einen Oxfam-Shop haben wir auch um die Ecke. Und da kann man seine Klamotten einfach abgeben?

      • Ulrike schreibt:

        An und für sich kann man die einfach abgeben. Alles in eine Tüte, damit zur Verkäuferin gehen und ihr in die Hand drücken. Allerdings sollte man ein paar Dinge beachten, denn die meisten Shops haben nicht ewig viel Lagerfläche und müssen daher etwas mit Vorräten haushalten. Einfach vorher mal so reingucken und nachfragen, was sie gerade brauchen. In unserem Shop hier liegen auch Flyer aus, auf denen alles im Detail drauf steht. Das wäre dann mal ein Flyer, den Du mitnehmen könntest, denn Du brauchst ihn sicherlich mehr als einmal. 😉 Hier sind online schon ein paar Hinweise: http://www.oxfam.de/shops?quicktabs_4=2#quicktabs-4

  8. Franziska schreibt:

    Hallo!
    Ich verkaufe (und kaufe) meine Klamotten meistens auf Flohmärkten. Neuerdings bin ich bei Kleiderkreisel eingestiegen (www.kleiderkreisel.de) und bin sehr begeistert.

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