Vor genau einem Jahr haben Gregor und ich uns kennengelernt und es hat sofort gefunkt. Uns war schnell klar, dass wir zusammen bleiben wollen und so ließ die Verlobung nicht lange auf sich warten. Am 1.August 2015 war es dann soweit. Unsere Hochzeit! Und wie wir das in unseren müllfreien Alltag integriert haben, möchten wir gerne mit euch teilen:

Wer schon einmal auf einer Hochzeit war, kennt die übliche Materialschlacht. Servierten, Einwegkameras, Konfetti, Luftballons, Tischkarten, Einladungen, Dankeskarten, Geldgeschenke versteckt in irgendeinem  Zeug, Geschenkpapier, Blumen mit Plastikfolie umwickelt, Gastgeschenke und vieles mehr. Das Potential Müll zu erzeugen ist riesig. Und für den wichtigsten Tag im Leben werden keine Kosten und Mühen gescheut.

Der normale Alltag ohne Müll ist schon immer wieder eine Herausforderung, bei der es nie langweilig wird. Da kann man doch an der Hochzeit mal eine Ausnahme machen?! Vor einem Jahr hätte ich dem vielleicht noch zugestimmt, jetzt nicht mehr. Wir wollten keine Ausnahme. Sonst würden wir weniger mit Freude als mit Reue an diesen Tag zurück denken. Die Nachhaltigkeit die uns jeden Tag begleitet, sollte auch diesen Tag prägen. Mit der Entscheidung hieß es direkt mal einen Haufen Hochzeitsklischees über Bord zu werfen und diesen Tag vollkommen neu zu denken.

Der Ort

Wir haben unsere Hochzeit in der Eifel gefeiert. Nach dem Standesamt ging es in das nahgelegene Künstlerhaus „Zeitfrei und Verräumt“ eines befreundeten Pärchens. Mit ihrer Liebe zu antiken Gebrauchsgegenständen und Möbeln gebrauchten Gerüstbohlen füllen sie das ganze Haus mit Werthaltigkeit und spiegelten unsere Ideale genau wieder. Mit den Wiesen zum Zelten, spielen, relaxen, dem Innenhof mit Tanzfläche und Kicker, der Einfahrt mit Biertischen und dem Haus selbst mit Küche und Buffettafel, bot das alte Pfarrhaus direkt neben der Kirche die perfekten Bedingungen für eine Traumhochzeit ganz nach unserem Geschmack.

Einladungen

Aber gehen wir erst noch ein paar Wochen zurück mit zum Versenden unserer Einladungen:

Auch wir haben einen zauberhaften Text mit Bild entworfen, giftige Druckfarbe und Frischpapier haben wir uns aber gespart. Wir hatten nicht den Eindruck, dass es die Bedeutung unserer Hochzeit in irgendeiner Weise schmälern würde. Deshalb Einladungen gingen nicht per Post, sondern per Email raus.

Damit alle Gäste wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie diesen Tag mit uns verbringen wollen, haben wir uns die Mühe gemacht, ziemlich genau zu formulieren, was wir uns wünschen um möglichst wenig böse Überraschungen zu erleben. Eine Hochzeit ist ja nicht nur für das Brautpaar etwas besonders. Auch die Gäste haben das Gefühl, sie müssten sich etwas ganz besonders ausdenken, um ihre unterstützenden Geldscheine irgendwie kreativ zu verpacken. Das führt zu einer Materialschlacht von einfacher Pappe bis hin zu massivem Beton. So haben wir darauf hingewiesen, dass wir all das gerne vermeiden würden. Geld gerne, aber ohne Müll. Extra dafür haben wir dieses zuckersüße Sparschwein gebastelt.

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Spar-Schwein

Unseren Hinweis, dass wir uns wirklich keine Geschenke und Blumen wünschen wurde von den meisten respektiert. Und die, die sich darüber hinweg setzten, legten sich richtig ins Zeug uns etwas zu schenken, dass wir auch gerne annehmen, konnten.

Buffet

Um aber unseren Gästen trotzdem die Möglichkeit des kreativen Auslebens geben zu können, gaben wir ihnen die Gestaltung unseres kompletten Buffets in die Hände. Jeder sollte etwas mitbringen, in der Hoffnung, dass wir alle satt und kulinarisch entzückt würden. Die einzige Auflage: es sollte vegetarisch sein.

Wirklich vegetarisch? Können wir das an einer Hochzeit wirklich machen? Natürlich können wir das machen, es ist unser Tag und er soll in erster Linie für uns perfekt werden. Wir sind zwar beide keine Vegetarier, essen aber aus den bekannten Gründen nur sehr wenig und gar kein konventionelles Fleisch. Um nicht vor unserem eigenen Buffet stehen zu müssen und sich zu fragen, was wir davon wirklich essen wollen, haben wir Fleisch einfach komplett von der Speisekarte gestrichen.

Das Konzept gab unseren Gästen nicht nur genügend Potential sich den Kopf zu zermartern, sondern erbrachte uns eine Tafel, wie sie bunter, kreativer und besser kein Caterer und kein Fleisch hätte zaubern können und machte rund 70 Gäste einen ganzen Tag lang satt und glücklich.

Mit viel Vertrauen in unsere Gäste erbrachte uns die Idee sogar eine zweistöckige Hochzeitstorte, die noch besser schmeckte, als sie aussah.

Ein Risiko bot unser Konzept allerdings schon. Unseren Hinweis, wenn möglich auf Alufolie und Frischhaltefolie als Verpackungsmaterial zu verzichten, haben die meisten unserer Gäste aber erst genommen. Dass trotzdem Säckeweise Eiswürfeltüten ran geschleppt wurden, konnten wir aber nicht vermeiden und hat uns ein wenig traurig gemacht. Gut, dass wir mit dem schlimmsten gerechnet haben, so konnten wir auch das mit Fassung tragen.

Getränke

Um die Getränke kümmerten wir uns selbst, denn das ist ein Thema für sich. Nicht nur aus biologischem Anbau und in Pfandflaschen sollten sie sein, sondern auch noch aus Flaschen mit Ploppverschluss statt Kronkorken. Glücklicherweise erfüllt unsere Lieblingsbier Hellers alle diese Kriterien. Wein und Sekt konnten diese Ansprüche aber nicht ganz erfüllen. Einwegglas und jeder Korken ist mit Alupapier umwickelt. Hier wird es dringend Zeit für eine Alternative. Auch der Servicefaktor lässt bei Biobier zu wünschen übrig. Weder ein Lieferservice, noch kaufen auf Kommission standen uns zur Verfügung. Also musste alles in unseren VW Bus reinpassen. Für die unalkoholische Limonade wollten wir deshalb nicht auch noch Kästen schleppen. Mein fleißiges Holunderblüten Sammeln im Frühling zahlte sich hier aus und so machten wir unsere Limonade einfach selbst.

1 Teil Holunderblütensirup + 1 Teil Zitronensaft gemischt. Mit einer kleinen Anleitung dabei trauten wir unseren Gästen das Anmischen selbst zu. Ein Spritzer ins Glas und mit Sprudelwasser auffüllen. Für das Sprudelwasser hatten wir extra die Sprudelmaschine dabei.  Keine Schlepperei und unschlagbar günstig.

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Den Kaffee gab es ganz genauso wie es ihn bei uns zu Hause gibt. Kaffeebohnen, eine Kaffeemühle und eine Frensh Press Kaffeekanne hinterließen keinerlei Verpackungsmüll und höchstens ein paar Muskeln bei unserem Trauzeugen.

Hochzeitskleid

Mein Hochzeitskleid kam natürlich nicht aus einem Brautmodegeschäft ohne Rücksicht auf Rohstoffe und Herstellungsprozess. Ein klassisches weißes Hochzeitskleid sollte es für mich sowieso nicht sein. Es sollte sommerlich gelb sein und natürlich gebraucht. Das waren keine leichten Vorgaben, die ich mir da auferlegte. So klapperte ich die Second Hand Läden, Flohmärkte und Internetforen ab, bis ich eines Freitags mit einem Haufen gebrauchter Einzelstücke nach Hause kam. Nichts davon passte wirklich aber alles war gelb und hatte Potential. Die Nähmaschine zauberte ein Kleid, genau nach meinen Vorstellungen und sogar einen Schleier konnte ich mir noch in die Haare stecken. Schminke und Hairstylist konnte ich mir sparen, da ich weiß dass Gregor meine Natürlichkeit am meisten liebt.

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Viel mehr gib es auch nicht zu erzählen von einer Zero Waste Hochzeit. Die Servierten sind aus Stoff, die Kerzen aus regionaler Biomasse, Tischkarten, Beschriftungen und Namensschilder aus alten Briefumschlägen oder gebrauchtem Papier und eine Kamera hat sowieso jeder in der Tasche. Die Fähnchen nähte ich aus Stoffresten selbst und kann sie ab heute zu jeder Feier wieder auspacken. Vieles ist selbstgebastelt und improvisiert, und genau das hat auch den Charme ausgemacht. Die Gäste fühlten sich pudelwohl, auf den Hängematten, am Kickertisch, am Piano und am Buffet, beim Kaffeemahlen und Kuchen aufschneiden.

 

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Ganz müllfrei haben wir es nicht hinbekommen, aber unsere Bemühungen haben sich ausgezahlt.

Liebe Gäste, danke für eure Tatkräftige Mithilfe und ein entspanntes Fest ganz nach unserem Geschmack. Freut euch schon auf die Dankeskarten – sie kommen per Email.