Scheuklappen auf

Veröffentlicht am: 31. Oktober 2018 |

Habt ihr einen grünen E-Mailprovider? Ich bisher nicht. Doch die E-Mail eines Freundes hat mich heute morgen zum Denken gebracht. Da habe wohl sogar ich noch die ein oder andere Baustelle offen. Wie sieht es mit euch aus?

Strom

Der Erhalt des Hambacher Waldes ist in diesen Tagen in aller Munde. Das kleine Stückchen Resturwald steht dabei jedoch eher stellvertretend unter anderem für folgende Fragen: Wollen wir, dass 100% Ökostrom möglich ist? (Ökostrom bietet ebenfalls Arbeitsplätze) Wollen wir die von der Bundesregierung gesteckten Klimaziele erreichen? Wollen wir Klimagerechtigkeit? (Andere Länder leiden deutlich stärker unter dem CO² Ausstoß, als die Länder, die ihn hauptsächlich verursachen)
Ob 100% Ökostrom bei dem hohen Energieverbrauch unserer Industrie wirklich möglich ist, ist zwar fraglich. Spätestens beim Privathaushalt und dem eigenen Unternehmen ist es aber kein Problem und auch nicht mehr teuer. Grüner Strom wird jedoch häufig versprochen, wo er nur so zum Teil drin steckt. Seid ihr weder bei Greenpeace Energy, noch bei Naturstrom oder bei EWS Schönau, ist durchaus noch Luft nach oben. Andere Stromanbieter können zwar ebenfalls 100% Ökostrom anbieten, finanzieren damit aber auch noch ihre konventionellen Segmente mit. Also lieber gleich zu richtigem Ökostrom wechseln. Und nichts ist einfacher als ein Stromwechsel.

Über diesen Link, bekommt ihr auch direkt noch 30€ Startguthaben dazu.

Bank

Schonmal über einen Bankwechsel nachgedacht? Warum? Weil Banken ihr Geld gerne dort investieren, wo sie am meisten Rendite abgreifen können, ohne Rücksicht auf Verluste. So finanzieren sie standardmäßig in :

o Kinderarbeit (z.B. in Rohstoffminen)
o Extrem niedrigen Arbeitslöhnen (z.B. in Rohstoffminen)
o Extrem langen Arbeitszeiten (z.B. in Rohstoffminen)
o Zwangsumsiedlungen (z.B. um Regenwald abholzen zu können oder Braunkohle zu fördern)
o Umweltzerstörung
o Abholzung des Regenwaldes (z.B. für Palmölplantagen und Sojaplantagen als Futtermittel für die Fleischindustrie)
o Klimawandel (z.B. Fossile Energie)
o Rüstungsproduktion
o Rüstungsexporten in Konfliktgebiete (Zur Zeit sehr aktuell, die humanitären Katastrophen in Syrien und dem Jemen)
o Korruption
o Steuervermeidung

Und hier das Ganze nochmal mit Humor und Jan Böhmermann.

Möchtet ihr wissen, wie es mit eurer Bank aussieht, findet ihr hier eine Checkliste, mit Fragen, die ihr eurer Bank stellen sollten. Wollt ihr gleich auf Nummer sicher gehen, sind vertrauensvolle Alternativen die GLS Bank, Triodos und die Umweltbank. Bankwechsel sind zwar etwas nervig, aber der Effekt ist riesig!

Übrigens gilt das nicht nur fürs Girokonto, sondern auch für Sparbücher, Rentenfonts und alle anderen Finanzprodukte. Wenn ihr mehr wissen wollt, könnt ihr genau nachlesen auf Facing Finance.

Wirklich schade ist es, dass ein Geschäftskonto bei einer Ökobank nicht ausreicht, wenn man ein Ladenlokal hat und dementsprechend mit Bargeld hantiert. Es gibt bei uns keine Filiale und so sind wir immer noch auf ein anderes Konto angewiesen.

Gas

Ja, auch Gas gibt es aus ökologischer Hand. Das sogenannte Windgas von Greenpeace Energy zum Beispiel.
Zu Spitzenzeiten, wenn es ein Überangebot an erneuerbarer Energie gibt, wie zum Beispiel bei strahlender Sonne oder starkem Wind, wird der Strom in Gas umgewandelt und so gespeichert. Das Gas wird ins Gasnetz eingespeist. Wollt ihr genau wissen, wie das geht? Auch hierfür könnt ihr euch 30€ Startguthaben sichern.

E-Mail Postfach

E-Mail Provider brauchen Unmengen an Strom für ihre Rechenzentren. In der Regel werden sie nicht mit Ökostrom betrieben. Anders als bei dem Anbieter Posteo.

o Ökostrom von Greenpeace Energy
o Ökobank GLS
o Keine Werbung
o Keine politisch geprägten „Nachrichten“
o Deutlich besserer Datenschutz
o Anonymes Konto möglich

Das Konto ist Kostenpflichtig, aber für diese Leistungen ist 1€ im Monat nicht zu viel.

Webhosting

Der Anbieter Biohost ermöglicht ein Webhostig mit 100% Ökostrom von Naturstrom.

Suchmaschine

Die Suchmaschine Ecosia läuft nicht nur mit Ökostrom, sondern nutzt Werbeeinnahme zur Aufforstung von Wäldern. Einfach einzurichten und ab sofort nur noch ecosien.

Rente

Mehr über nachhaltige Riesterrente, Rüruprente oder betriebliche Altersvorsorge, über private Altersvorsorgen und Berufsunfähigkeitsversicherung findet ihr bei Fibur.

Onlineshop

Gerade wer ökologisch vorteilhafte Produkte kaufen möchte, kommt um den Onlinehandel nicht immer drum herum. Aber wenn schon Onlineshopping, dann können wir auch hier genau hinschauen, wo wir kaufen. Die Verlockung ist groß beim direkten Preisvergleich immer das billigste auszuwählen. Das kann jedoch fatale Folgen haben. So unterstützen wir damit häufig gigantische Versandhändler wie Amazon und damit auch ihre ausbeuterische Dumpingpreispolitik, die weder angemessene Löhne, noch ein lebenswertes Arbeitsklima ermöglichen. Der allergrößte Skandal ist aber das massenhafte Schreddern von funktionstüchtiger Ware. Was für eine Verschwendung!

Sowohl ihr, die ihr kauft, als auch ihr, die ihr verkauft und euch überlegt, auch über Amazon zu versenden: Shopping is voting! Wir haben die Wahl, wem wir unsere Stimme geben!

Was noch?

Hab ich noch was vergessen? Ganz bestimmt. Wo kann man sonst noch auf ökologische Alternativen umsteigen? Was ist mit dem Webbrowser?

Und was mich auch brennend interessieren würde: War da jetzt was neues für euch dabei? Und werdet ihr wechseln?

13 Comments to Scheuklappen auf

  1. Sandra Voß schreibt:

    Hallo Olga,
    posteo… hab ich, Gls Konto… hab ich, Ökostromanbieter seit einen Wohnortwechsel habe ich leider nicht mehr, Prokon hat der Vermieter über den wir auch unseren Strom beziehen, ist etwas zielichtig, sagt aber das sie 100 Prozent Windenergie nutzen… vorher war ich über Jahre bei Greenpeace Energy und war auch zufrieden mit ihnen.
    Liebe Grüße und alles Gute dir und allen die das lesen… 🙂

  2. Peter schreibt:

    Hallo Olga,
    eine Alternative zu Posteo wäre noch mailbox.org. Auf Wunsch kannst man dort auch ein Paket mit Web-Office-buchen. Wie Posteo ist auch mailbox.org kostenpflichtig.
    Posteo nutze ich wie Ökostrom schon seit Jahren. Lose Ware einkaufen kommt immer mehr.
    Mit den Banken würde ich mich der Meinung von Fjonka anschliessen wollen.
    Danke für den Tipp mit dem Domainhoster.

    • Olga schreibt:

      Danke für die Nennung einer weiteren Alternative: Leider ist hier nicht ganz so transparent zu erkennen wo der Strom denn herkommt.

      Vielleicht erwirtschaften Ökobanken einfach nicht so hohe Gewinne, weshalb sie mehr kosten als Kriegstreiber?!

  3. Jule schreibt:

    Hi Olga,
    tatsächlich habe ich in den letzten Jahren ebenfalls die Bank, Strom- und Gasanbieter und Email-Provider gewechselt, um in möglich vielen Bereichen meines Lebens nachhaltiger unterwegs zu sein. Die Webhosting und Suchmaschinen Info hingegen war auch neu für mich, danke für die Tipps, man lernt nie aus;-)
    Ergänzen könnte man deine Aufzählung noch um nachhaltige Krankenkassen. Ich war bei der BKK advita, die sich als grüne Krankenversicherung einen Namen gemacht hat und mich mit ihrem Nachhaltigkeitskonzept überzeugt hat. Letztes Jahr fusionierte sie mit der BKK24. Sie ist nun nicht mehr auf den ersten Blick als grüne Krankenkasse erkennbar, aber viele Werte sind jedoch übernommen worden (https://www.bkk24.de/typo3/index.php?id=4537)
    Ich bin gespannt, was deine anderen Leser noch an Tipps parat haben!

    • Olga schreibt:

      Tipps für eine Grüne Krankenkasse würden mich auch interessieren!

      Vielleicht sollten wir alle unsere Krankenkassen mal anschreiben, was sie diesbezüglich anzubieten haben.

  4. Hanin schreibt:

    Ökostrom haben wir schon länger, Gas seit einiger Zeit (den Anbieter müssen wir dann aber nochmal prüfen) und vor kurzem haben wir den Bankwechsel zur Triodos geschafft. Die ist deutlich bezahlbarer als GLS, kaum mehr teurer als die Sparkasse, aber das Abheben von Bargeld geht nicht einfach überall, da muss man sich anders organisieren als gewohnt. Über Posteo bin ich erst vor ein paar Monaten gestolpert aber bin das Projekt noch nicht angegangen. Aber nach diesem Artikel rutscht das ganz oben auf meine Prioritätenliste, ebenso wie konsequent Ecosia zu nutzen!

  5. Ina schreibt:

    Über diese Bereiche habe ich echt noch nicht nachgedacht. Danke für den Anstoß! Ich werde mich in nächster Zeit informieren und gucken, wo ich wechseln kann.

  6. Fjonka schreibt:

    Direkt neu war für mich davon nichts – meine offene Baustelle ist aber der Bankwechsel. Schon öfters habe ich mich informiert, habe überlegt – und mich dann jedesmal so über die geradezu unverschämten Konditionen der ökoverträglichen Banken so aufgeregt, daß ichs gelassen habe. Kontoführungsgebühren von zT bis zu 20 Euro, manchmal verkappt durch GEBÜHREN für die BANKKARTE (wer kann ohne Bankkarte, bitte??) – das empfinde ich als frech, und leider gibt es keine Ökobank, die da kundenfreundlich ist.
    Ich kann auch nicht sehen, daß irgendetwas diese überhöhten Kosten rechtfertigt, zmal diese Banken sehr gute Gewinne machen.
    Grünen Strom habe ich seit vielen Jahren, bei Posteo bin ich ebenfalls schon lange und habe das auch im Blog schon thematisiert.
    Versicherungen wären noch ein Thema, denn die legen auch viel Geld an – wo????? Aber damit hab ich mich auch noch nicht beschäftigt.
    Webbrowser: Mozilla ist immerhin wesentlich datensicherer, aber öko? Nö, da wüsste ich bisher nichts.

  7. Andrea Steinhausen schreibt:

    Hallo Olga,
    je mehr man eintaucht in nachhaltiges Leben, desto mehr Veränderungen werden sinnvoll und notwendig. Ecosia nutze ich schon länger und ich habe über den Email-Provider ehrlich gesagt noch nicht nachgedacht. Danke für die Tipps und weiter so!!
    PS: Über Strom und Gas diskutiere ich seit einem Jahr mit meinem Mann. Steter Tropfen höhlt den Stein…;-))

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