Obst und Gemüse unverpackt einzukaufen ist überhaupt kein Problem.

Der 1. Schritt

In Bioläden liegt das meiste noch lose aufgebaut und die Gurke ist noch nicht in Folie eingeschweißt. Sie kann lose oder in einem Stoffbeutelchen auf das Kassenband gelegt werden. Fragt nach, ob euer Laden das Gewicht des Beutels an der Kasse abziehen kann. Manche können es, andere leider nicht. Aber wenn es geht, könnt ihr euch das Gewicht direkt auf dem Säckchen notieren, oder gleich welche nehmen die mit Gewichtsangabe versehen sind. So kommen die Frischwaren zumindest unverpackt bei euch zu Hause an.
Das ist schon mal ein großer Fortschritt, aber wer es so richtig ressourcenschonend haben möchte, der kann noch ein paar Schritte weiter gehen. Bzw. zurück gehen in Richtung Feld.

Der 2. Schritt

Auf dem Markt einkaufen. Es gibt weniger Zwischenhändler, was bedeutet es gibt auch weniger Ausschuss und weniger Verpackung. Denn nur weil die Ware lose im Regal liegt, heißt das noch lange nicht, dass sie auch so geliefert wird.

Der 3. Schritt

ist eine Gemüsekiste. Die kommt zum Beispiel einmal die Woche ins Haus und enthält im besten Fall vor allem regionales und saisonales Gemüse, was auf dem Hof gerade anfällt.  Das reduziert die Zwischenhändler nochmals und ermöglicht es dem Bauern genau das Gemüse zu verteilen, welches gerade vermehrt anfällt. Es gibt also weniger Lebensmittel, die vorrätig gelagert werden müssen und somit weniger Waren, die verkommen, weil sie nicht rechtzeitig verkauft werden können. Dadurch dass der Bauer das Gemüse auf die Kisten verteilt, kann er auch die nicht ganz perfekte Stücke gerecht auf alle Kisten verteilen, die im Laden immer liegenbleiben und irgendwann aussortiert werden. Selbst wenn hier die ein oder andere Papiertüte verwendet wird, kommt man unterm Schnitt besser weg als im Ladenlokal.

Und die Königsklasse

des nachhaltigen Gemüseanbaus ist und bleibt die solidarische Landwirtschaft. Das Prinzip funktioniert ganz grob so:

Eine selbstorganisierte Gemeinschaft bezahlt ein Feld und einen Bauern dafür, dass er Gemüse anbaut. Einmal die Woche bringt der Bauer die Ernte in eine der Verteilstationen, wo sich die Mitglieder ihren Anteil abholen können. Und folgende Argumente machen das Konzept so attraktiv:

  • Der Bauer bekommt fairen Lohn (mehr als in der freien Wirtschaft)
  • Alles Geld kommt dem Bauern und dem Anbau der Produkte zu Gute und keinen Zwischenhändlern
  • Die Produkte sind absolut regional und saisonal. Es gibt nur das, was gerade jetzt gerade dort wächst. Kürzere Transportwege gibt es nur im Eigenanbau.
  • Es gibt keinen Ausschuss. Da die Produkte nicht einzeln verkauft werden, kommt es nicht auf die Attraktivität an und es kann alles verteilt werden.
  • Es gibt weniger Lagerverluste. Da die Produkte nicht durch mehrere Zwischenhändler müssen und dann im Laden darauf warten bis und ob sie mitgenommen werden.
  • Es gibt keine Abhängigkeit vom Markt. Fällt die Ernte schlecht aus, wird der Bauer genauso bezahlt, fällt die Ernte gut aus, bekommen die Mitglieder mehr. Gibt es viele Zucchini, werden sie nicht vernichtet, sondern verteilt.
  • Es wird kleinräumlich angebaut, mit geringem Maschineneinsatz. Das fördert die biologische Vielfalt und ist wesentlich besser für die Bodenbeschaffenheit, als große Monokulturen.
  • Das Gemüse ist frischer, da nichts zugekauft wird und oft direkt vor oder am Tag vor der Auslieferung geerntet wird. (Danke für die Ergänzung an Fussel)
  • Es entsteht weniger Müll, da auch das Gemüse, was unverpackt im Supermarkt liegt auf dem Weg dorthin verpackt wird.

Und ganz nebenbei ist man Mitglied einer Gemeinschaft, der man nicht nur wöchentlich in der Ausgabestelle begegnet. Je nach Solawi gibt es gemeinsame Pflanz-, Ernte oder Sommerfeste. Gerade für Kinder ist es immer eine Freude auf dem Acker rum zuwühlen und kennen zu lernen wie das Gemüse wächst. Wer will kann mithelfen, muss aber nicht. Und wer will kann mit organisieren und somit auch mit bestimmen, was angebaut wird.

Auch vergrößert sich die Vielfalt auf dem Teller und man lernt man ganz neue Gemüsesorten kennen, mit denen man sich zwangsläufig auseinander setzt. Das ist vor allem für solche von uns spannend, die bisher keine Ahnung haben, was wann Saison hat, weil im Laden immer alles gleich aussieht.

So gut wie alle deutschen Solawis sind so beliebt, dass man nur noch über Wartelisten einen Platz ergattert. In Köln ist das Prinzip Solawi noch relativ jung und so sind für diese Saison noch ein paar Plätze frei. Ich hoffe ich habe euch ein wenig neugierig gemacht.

Solawi Köln

Gemüsekoop