Stoff

Veröffentlicht am: 10. März 2016 |

Zero Waste ist nicht nur übers plastikfreie Einkaufen, selber anrühren von Waschmittel oder den Umstieg auf Haarseife. Wer Zero Waste lebt, oder auch nur damit liebäugelt, seinen Fußabdruck etwas zu verkleinern, der gerät schnell an ganz essenzielle Fragen unseres täglichen und nicht so alltäglichen Konsums.

Zu unserem Alltag gehört es wie das Kino am Wochenende dazu, regelmäßig durch die Läden zu schlendern und shoppen zu gehen. Nicht nur, weil man gerade etwas braucht, sondern auch weil es Samstag ist, weil man frei hat und noch nichts anderes vor, weil man sich einen schönen Tag mit der Freundin machen möchte, weil man zu viel Werbung geguckt hat und nun das Bedürfnis hat, dass einem etwas zum Glück fehlt, weil der Freund Schluss gemacht hat oder weil man eine harte Woche hatte und es sich nun wirklich verdient hat. Shoppen gehört dazu und ist längst über die Notwendigkeit neuer Kleidung zum Selbstzweck geworden. Es ist sowohl Freizeitbeschäftigung, als auch Ersatzbefriedigung und Trostpflaster für alles mögliche.

H&M und Co

Aber in unserer Kleidung und den Stoffen, die uns umgeben, steckt mehr drin, als wir glauben. Das die Produktion unserer Kleidung nicht gerade etwas mit Nächstenliebe zu tun hat, ist den meisten bekannt. Aber nicht nur bei Primark und Kik geht es äußerst übel zu. Gerade die teuren Marken glänzen nicht mit Mitarbeiterfreundlichkeit und Umweltschutz. Ihre Gewinnspanne ist lediglich höher. Manchmal werde ich nach einer Liste der schwarzen Schafe gefragt. Dazu kann ich nur sagen, ich fürchte, dass wir alle Marken und Hersteller als schwarze Schafe ansehen können, die sich nicht explizit, durch Siegel zertifiziert, zu einer anderen Politik bekennen.

H&M macht sich zur Zeit einen Namen mit seinen Bemühungen, die Kleidung fairer, ökologischer und gesünder zu produzieren. Diese Bemühungen sind zwar positiv, um auch den Massenmarkt, der nicht viel hinterfragt, zu durchdringen. Aber einen Freifahrtschein für eine H&M Flatrate ist das noch lange nicht. H&M steht weiterhin für äußerst kurzlebige Kleidung, die absichtlich günstig produziert wurde, weil sie gar nicht lange halten soll. In der nächsten Saison, soll ja sowieso etwas Neues her. So landen durch H&M, deren saisonales Geschäft und Ausrichtung auf Konsum, tonnenweise Kleidung tagtäglich in der Tonne, die für den Secondhand-Markt nicht mehr zu gebrauchen ist. So viele Putzlappen braucht kein Mensch!

Was ist Stoff eigentlich?

Stoff fühlt sich so herrlich weich und natürlich an. Rein gefühlsmäßig würde auch ich ihn auf den Kompost schmeißen und warten bis Erde daraus wird. Zum Teil funktioniert das sogar, aber Stoff zu finden, der vollkommen biologisch abbaubar ist, ist schwer. Die meisten unserer Materialien werden durch Funktionsstoffe ergänzt oder ersetzt – also durch synthetische Kunststoffmaterialien. Zumindest im eingenähten Schildchen lässt sich grob auf die Inhaltsstoffe schließen. Steht etwas anderes als die bekannten Naturmaterialien auf der der Zutatenliste, so ist Kunststoff enthalten. Leider ist auch nicht jeder Zutatenliste zu trauen. Teste selbst. Ist dein Stoff dehnbar? So ist Kunststoff enthalten. Wo gibt es heute noch Jeans, die nicht dehnbar sind? In der Frauenabteilung eher nicht.
Und wenn der Stoff aus Baumwolle ist, so ist es die Naht noch lange nicht. Industrienäherinnen haben so flinke Hände und Nähmaschinen, dass ein einfacher, nicht elastischer Baumwollfaden schnell an seine Grenzen der Reißfestigkeit stößt. So erlaubt selbst das GOTS Siegel, welches nur Naturmaterialien zertifiziert, einen gewissen Anteil an Kunststoff in seinem Nähgarn. Sogenannte Biokunststoffe sind im Allgemeinen sehr kritisch zu bewerten, aber hier wären sie wohl der ideale Ersatz.

Fazit

Egal was man kauft, man kann sich nicht Grün kaufen, man kann sich nur Grün nicht-kaufen. Alles was wir nicht kaufen ist eine gute Investition in unsere Zukunft.

Verzichten muss man deshalb aber noch lange nicht. Genau aus diesen Gründen, ist es nicht nur sinnvoll ökologisch und Fair produzierte Kleidung und Stoffe zu kaufen, sondern den Konsum zu reduzieren und auf gebrauchte Kleidung umzusteigen. Wer neu kauft und auf haltbare Kleidung von guter Qualität setzt, ermöglicht erst einen funktionierenden Secondhand Markt. So dass unsere Kleidung möglichst lange im Umlauf sein kann, bevor sie verschlissen ist.

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