Wer hat eigentlich Feuchttücher erfunden?

Veröffentlicht am: 9. Februar 2017 |

Das frage ich mich manchmal. Gepaart mit der Frage, wer dafür eigentlich Geld ausgibt. Seit ich ein Kind habe weiß ich zumindest letzteres. Nämlich so ziemlich jede Mutter, für den Po ihres Kindes.

Warum das der Fall ist, hätte ich wahrscheinlich niemals erfahren, wenn ich nicht kurz nach der Geburt  mit unserem Sohn auf Grund von gesundheitlichen Komplikationen erneut für 3,5 Wochen ins Krankenhaus gemusst hätte. Dank dieses Aufenthaltes habe ich einen Einblick darin bekommen, wie MAN das so macht mit Babys. „Pampers“ volllaufen lassen bis sich das Wechseln lohnt, Baby auf der Wickelunterlage (ggf sogar Einwegunterlage) ausziehen, die Schweinerei mit Feuchttüchern beseitigen und beides in den hermetisch geschlossenen neuen Windelmülleimer schmeißen. Für Unterwegs gibt es dafür sogar praktische Plastiktütchen. Dann schön dick die Babypocreme auftragen, damit der Po nicht wund wird und in eine frische Windel wieder einpacken. Das wir bei dem Prozess keine Einweghandschuhe tragen ist wohl nur eine Frage der Zeit.
Ehrlich gesagt, dachte ich, wenn man Kinder in die Welt setzt, fängt das große Nachdenken über Umwelt und Natur an, um dem Nachwuchs nicht die Zukunft zu versauen.
Statt dessen war ich erstaunt, mit welcher Sorglosigkeit solche Dinge verbraucht werden, die so viele Ressourcen verschlingen, so viele Chemikalien enthalten, so viel nicht abbaubaren Müll erzeugen und dann auch noch so viel Geld kosten. Wie konnte eine so verschwenderische Versorgung unserer Kinder so normal werden, dass man es niemandem zum Vorwurf machen kann, es so zu machen, wie es halt alle machen?
Ich weiß bis heute nicht mal, ob Feuchttücher wirklich nur aus Papier sind. Alles was ich weiß ist: sie gehören nicht in die Toilette (So wie alles außer Wasser, Exkremente und vielleicht ein bisschen Klopapier) und schon gar nicht ins Gebüsch und ich möchte sie auch nicht am Po unseres Sohnes sehen.

Baby ohne Feuchttücher?

Wer auch immer die Feuchttücher erfunden hat, hat es mit seinem Marketing so gut hinbekommen, dass wir heute gar nicht mehr wissen,
wie man seine Kinder ohne versorgt.
Da ich mich sehr bewusst solchen Marketingkanälen entziehen und alleine schon aus Zeitgründen kaum Vorbereitungen für unser Kind getroffen habe, habe ich mich auch damit im Vorhinein nicht beschäftigt.

Als das Kind nun da war, winzig klein und verschrumpelt, lies die Frage, wie wir es nun machen natürlich nicht lange auf sich warten. Ich lies mich von meinem Instinkt leiten und da wir auch das freie Ausscheiden überm Waschbecken ausprobieren wollten, lag es nur nahe, das Kind auch direkt dort zu reinigen. Zwischenzeitlich fingen wir an mit Waschlappen zu hantieren und diese separat aufzuhängen. Irgendwann ließen wir alles weg und nahmen nur noch die bloße Hand. Seit Levin feste Nahrung zu sich nimmt, haben sich auch seine Hinterlassenschaften stofflich verändert. Wenn so ein richtiger Haufen an seinem Po klebt, dann nehme auch ich für das Gröbste etwas Klopapier, aber dann geht es wieder zum Waschbecken.
Auch Babykacke kann stinken wie Teufel, aber wirklich eklig empfinde ich es bei meinem Sohn nie. Gregor sagt, mit einem fremden Kind wäre das anders. Es liegt vielleicht an der Bindung zu seinem eigenen Nachwuchs.

Wir bevorzugen also, ähnlich wie bei unserem eigenen Po, eine Reinigung mit purem, reinen Wasser ohne irgendwelche Zusatzstoffe. Damit dieses Konzept aber wirklich dauerhaft überzeugt ist es glaube ich sinnvoll, die Wickelunterlage in der Nähe von Waschbecken oder Toilette aufzustellen und nicht, wie so oft üblich, im Kinderzimmer. Ab und zu höre ich von einzelnen Müttern die ebenfalls auf die Tücher verzichten wollen und sich statt dessen Schüsseln und Waschlappen an den Wickeltisch stellen. Aber mal ehrlich: Dieses Wasser immer bereithalten, am besten handwarm, auswechseln, Waschlappen waschen und das alles während man anstrebt, dass das Würmchen nicht vom Wickeltisch fällt? Wie lange macht man das? Deshalb haben wir uns eine Wickelauflage von meinem Vater Schreinern lassen, die nun auf der Waschmaschine direkt neben dem Waschbecken thront.

17 Comments to Wer hat eigentlich Feuchttücher erfunden?

  1. Nina schreibt:

    😀 Ich habe mich sehr über diesen Beitrag gefreut. Eine Freundin von mir, die ihr erstes Kind erwartet und noch in den Überlegungen zur Vorbereitung steckt, hat mich neulich gefragt, was man meiner Meinung nach überhaupt nicht braucht für sein Kind. Meine spontane Antwort: Feuchttücher! Sie hat mich ganz überrascht angeguckt und gemeint, dass sei bisher bei den meisten die Antwort auf die Frage was man unbedingt braucht gewesen. Ich habe darauf nur gesagt, unbedingt brauchst du einen packen waschbare Spucktücher, denn die eignen sich für alles, als Sonnenschutz, als Sichtschutz beim Stillen, zum Reinigen von Spucke, Milch, Brei und sonstigem Dreck… eben universell einsetzbar!
    Zum Aufstellen des Wickeltisches: In unserem fuzzikleinen Bad war leider beim besten Willen kein Platz für den Wickeltisch. Er stand also bei uns im Schlafzimmer und wir haben tatsächlich die von Dir erwähnte Methode mit Wasser und Waschlappen genutzt. Eigentlich hat mich das nie gestört. Morgens einmal frisches Wasser geholt und dann nach Bedarf gewechselt. Allerdings habe ich dafür tatsächllich eine Plastikschüssel gekauft mit zwei getrennten Schüsselteilen (für dreckig und sauber) und so geformt, dass man sie problemlos mit einer Hand und Kind auf dem Arm tragen konnte. Da diese Schüssel bei uns jahrelang in Gebrauch sein wird fand ich es vertretbar.

  2. dorothea schreibt:

    Meine Mutter ist Hausärztin und hat mir folgende Geschichte erzählt:
    Eine Patientin kam und fragte ob sie ob sie sich den Po ihres kindes noch mal angucken könne, der wäre so rot. meine mutter meinte das könne sie gerne tun, auch wenn sie allerdings keine kinderärztin seie. die dame entblätterte ihr kind, was einen ziemlichen pavianpo hatte. meine mutter, (die mir als kleinem baby den hintern immer unter laufendem wasser abgespült hat) fragte sie also, womit sie den popo denn reinigen würde. „mit babyfeuchttüchern!“ antwortete die dame. „das lassen sie mal schön und nehmen wasser und einen lappen!“ die enttäuschte reaktion der lady: das hätte der kinderarzt auch schon gesagt..

  3. Alisa schreibt:

    Hey!
    Habe deinen Blog vor einer Weile entdeckt und bin erst seit Kurzem dabei, meinen Müll etwas mehr als vorher sowieso schon zu reduzieren 🙂 noch habe ich kein Kind, finde den Ansatz hier allerdings sehr interessant. Ich bin allerdings auch selbst (noch) ein Verfechter von Feuchttüchern 😡 haha, ja, ich ändere mich langsam, aber sicher in die richtige Richtung 😉 angefangen habe ich beim Minimalismus, was ja auch im Grunde zu Zero waste gehört, da ich keine unnötigen Ressourcen mehr verschwenden und bei mir anhäufen mag 🙂 seitdem ich weniger Zeug habe, ist es wirklich entspannter geworden in meiner Wohnung und ich plane bald mit nur 7 kg Handgepäck ins Ausland zu gehen, für ein Jahr! 🙂 aber je älter ich wurde, desto mehr nahm die Abhängigkeit von „Zeug“ auch irgendwie ab.
    Ich freue mich auf mehr Anregungen von euch und abonniere mal 🙂 der Zero waste Lifestyle ist etwas, wo ich sicher noch eine Menge lernen kann und will ^^
    Lg, Alisa

  4. Sabine schreibt:

    Unterwegs mit Kindern ist eine Wasserflasche ja ohnehin dabei. Also Wasser aus der Flasche auf ein Windelfleece (die Einlagen für die Stoffwindeln um den Stuhl nicht rauskratzen zu müssen), Popo sauber wischen und mit der Windel waschen, bzw in der Windeltasche nach Hause transportieren . Warum nur wird einem dauernd suggeriert dass diese bl… selbst austrocknenden Feuchttuecher das einzig Wahre sind um Popos sauber, bzw sicher rot zu bekommen? Vielleicht, damit man gleich die Pocreme dazu kaufen muss 😉

  5. Jessica schreibt:

    Ich handhabe das genauso wie Valentina. Unsere Thermoskanne ist die alte von Oma mit Pumpsystem, so muss nix aufgedreht werden. Im Bad ist einfach kein Platz zum wickeln und die Lappen kommen mit den Stoffwindeln in die Wäsche. Für unterwegs zum wickeln und saubermachen nehme ich welche, die ich mit abgekochtem Wasser und etwas Öl getränkt habe. Klappt ebenfalls wunderbar. Für die Kita mache ich welche aus Küchen Papier, das hat sich für die Erzieher am praktischsten erwiesen. Klar, nicht zeRo waste aber besser als konventionell- 😉

  6. frohzuseinbedarfeswenig schreibt:

    Exakt so sah es bei uns vor Jahre auch aus: Waschmaschine mit selbstgeschreinertem Wickelaufsatz direkt neben dem Waschbecken! Winzlings Po unter den Wasserhahn gehalten, Popo per Hand gewaschen und mit normalem Handtuch abgetrochknet, frische Stoffwindel angezogen und fertig.
    Freut mich zu sehen, dass auch heute bei einigen die Vernunft noch funktioniert!
    Weiter so!

  7. Maria Widerstand schreibt:

    Hallo!

    Ich habe beide Kinder auch mit Stoff gewickelt und zum Saubermachen Waschlappen verwendet, die ich mit den Stoffwindeln mitgewaschen habe. Auch für unterwegs habe ich das so gemacht und einfach ein Sackerl mitgenommen. Das war sehr praktisch.

    Feuchttücher finde ich furchtbar, ich will gar nicht wissen, wie viel Chemie da drin ist!

    lg
    Maria

  8. Franziska schreibt:

    Hallo! Das mit den Stofflappen klappt super! Und man braucht es ja nur beim „großen Geschäft“. Wir machen das, in Verbindung mit Stoffwindeln, schon seit einem Jahr und sind sehr zufrieden. 😉
    Viele Grüße, Franziska

  9. Fussel schreibt:

    Bei mir ist das Wickeln ja nun schon fast 30 Jahre her, da war noch nix mit Feuchttüchern (jedenfalls nicht in der DDR). Und da wir im Studentenwohnheim gewohnt haben, hatten wir auch kein Bad, wo man einen Wickeltisch hätte haben können. Bei uns wurde das Gröbste mit der alten (Stoff-) Windel abgewischt und danach mit einem Waschlappen nachgeputzt. Der Po wurde mit Rinderfußöl eingeölt, weil Baby das normale „Babyöl“ nicht vertrug (das war irgendwas aus Mineralöl hergestelltes, vertrugen etliche Kinder nicht).
    Auch heute empfehlen Hautärzte eher tierische Öle für die Haut, da pflanzliche Öle leider eher einen entfettenden Effekt haben.
    Die Stoffwindel wurde dann ausgespült und bis zum Waschen in einem Windeleimer aufbewahrt. Der war zwar damals kein Mülleimer, mußte aber trotzdem möglichst dicht sein, weil tägliches Windelwaschen einfach nicht drin war. Das Windelwaschen habe ich wirklich als Last empfunden, vor allem, weil kaum jemand (und das Studentenwohnheim schon gar nicht) Waschmaschinen hatte, die auch schleuderten. Das hiess, die klatschnassen Windeln in die Schleuder umladen und dann das vibrierende Ding festhalten, damit es nicht davonhüpft. Das war für meine Neurodermitis genausogut wie ordentlich Kratzen. Ich war damals froh, als es für größere Kinder eine Art Wegwerfwindeln gab (die waren eher wie übergroße Damenbinden, keine Höschenwindeln, deshalb hatten wir trotzdem noch Stoffwindeln drum). Aber Feuchttücher? Braucht kein Mensch.
    Heute, wo es WaMas gibt, die auch schleudern oder sogar Windeldienste, die einem den größten Teil des Stresses abnehmen, würde ich auch die o.g. Wegwerfwindeln nicht mehr verwenden.

    Feuchttücher sind übrigens aus Kunststoff und das ist auch der Grund, warum sie nicht ins Klo gehören, das Zeug zersetzt sich einfach nicht…

  10. M a ria schreibt:

    Wer hat eigentlich das Wickeln des Kindes im Kinderzimmer erfunden? Wahrscheinlich ist das der Grund, dass man so etwas wie Feuchttücher braucht. Welcher Säugling hatte früher ein eigenes Zimmer? Kindchen war bei Mutter, schlief im Schlafzimmer der Eltern und die hygienische Versorgung erfolgte – wie bei den Eltern auch – im Bad(, bzw ganz früher wohl eher in der Küche).
    Ich habe meine Kinder auch mit klarem Wasser und ohne Waschlappe sauber bekommen. Ja, das funktioniert 😉 . Wenn man dann noch luftdurchlässige Stoffwindeln verwendet, wird man zwar von der Umgebung als völlig verquer eingestuft 😉 , aber Babys Po so gut wie nie wund. (Wenn er trotzdem mal wund wird, hilft trockenfönen und Rotlicht) Ich habe keine Creme gebraucht.
    Ich weiß nicht, wer die Feuchttücher erfunden hat, aber denke, dass aufgrund der Tatsache, dass junge Mütter in der Klinik unzählige Päckchen mit Proben aller Art geschenkt bekommen, denken viele dass die Verwendung dieser Dinge ist normal und notwendig ist.
    Das ist doch das Gleiche, wie mit der Ernährung. Kaum ein Kind bekommt doch heute noch selbst zubereiteten Brei. Die kommen mit vielen guten Zutaten Vitamine, Vanillearoma…) angereichert aus der Packung. Gläschennahrung ist zwar sauteuer, aber scheinbar unverzichtbar.
    Das Marketing leistet sehr gute Arbeit bei Baby- und Kinderartikeln!

  11. Valentina schreibt:

    Hallo Olga,
    ich habe Stoffläppchen als Waschlappen benutzt. Morgens eine Thermoskanne mit heißem Wasser befüllt, eine Schüssel dazu, um das überschüssige Wasser aufzufangen und alles an den Wickeltisch bereitgestellt. Da ich ja mit Stoffwindeln gewickelt habe, war auch das Waschen der Stoffläppchen kein Problem. Es hat halt nicht jeder Platz im Badezimmer 🙂 und Wasser in einer kleinen Kanne und Läppchen funktioniert auch unterwegs ganz prima.

  12. Verena schreibt:

    Super macht ihr das! Beim zweiten Kind haben wir auch nur noch für unterwegs Waschlappen, wenn überhaupt, und machen sonst im Waschbecken oder in der Wanne sauber. Den Wickeltisch haben wir uns diesmal gleich gespart und wickeln auf dem Teppich oder was sonst so gerade da ist 🙂 Spart enorm viel Zeit, Geld und Platz. Und gerötete Babyhaut!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.