Das frage ich mich manchmal. Gepaart mit der Frage, wer dafür eigentlich Geld ausgibt. Seit ich ein Kind habe weiß ich zumindest letzteres. Nämlich so ziemlich jede Mutter, für den Po ihres Kindes.

Warum das der Fall ist, hätte ich wahrscheinlich niemals erfahren, wenn ich nicht kurz nach der Geburt  mit unserem Sohn auf Grund von gesundheitlichen Komplikationen erneut für 3,5 Wochen ins Krankenhaus gemusst hätte. Dank dieses Aufenthaltes habe ich einen Einblick darin bekommen, wie MAN das so macht mit Babys. „Pampers“ volllaufen lassen bis sich das Wechseln lohnt, Baby auf der Wickelunterlage (ggf sogar Einwegunterlage) ausziehen, die Schweinerei mit Feuchttüchern beseitigen und beides in den hermetisch geschlossenen neuen Windelmülleimer schmeißen. Für Unterwegs gibt es dafür sogar praktische Plastiktütchen. Dann schön dick die Babypocreme auftragen, damit der Po nicht wund wird und in eine frische Windel wieder einpacken. Das wir bei dem Prozess keine Einweghandschuhe tragen ist wohl nur eine Frage der Zeit.
Ehrlich gesagt, dachte ich, wenn man Kinder in die Welt setzt, fängt das große Nachdenken über Umwelt und Natur an, um dem Nachwuchs nicht die Zukunft zu versauen.
Statt dessen war ich erstaunt, mit welcher Sorglosigkeit solche Dinge verbraucht werden, die so viele Ressourcen verschlingen, so viele Chemikalien enthalten, so viel nicht abbaubaren Müll erzeugen und dann auch noch so viel Geld kosten. Wie konnte eine so verschwenderische Versorgung unserer Kinder so normal werden, dass man es niemandem zum Vorwurf machen kann, es so zu machen, wie es halt alle machen?
Ich weiß bis heute nicht mal, ob Feuchttücher wirklich nur aus Papier sind. Alles was ich weiß ist: sie gehören nicht in die Toilette (So wie alles außer Wasser, Exkremente und vielleicht ein bisschen Klopapier) und schon gar nicht ins Gebüsch und ich möchte sie auch nicht am Po unseres Sohnes sehen.

Baby ohne Feuchttücher?

Wer auch immer die Feuchttücher erfunden hat, hat es mit seinem Marketing so gut hinbekommen, dass wir heute gar nicht mehr wissen,
wie man seine Kinder ohne versorgt.
Da ich mich sehr bewusst solchen Marketingkanälen entziehen und alleine schon aus Zeitgründen kaum Vorbereitungen für unser Kind getroffen habe, habe ich mich auch damit im Vorhinein nicht beschäftigt.

Als das Kind nun da war, winzig klein und verschrumpelt, lies die Frage, wie wir es nun machen natürlich nicht lange auf sich warten. Ich lies mich von meinem Instinkt leiten und da wir auch das freie Ausscheiden überm Waschbecken ausprobieren wollten, lag es nur nahe, das Kind auch direkt dort zu reinigen. Zwischenzeitlich fingen wir an mit Waschlappen zu hantieren und diese separat aufzuhängen. Irgendwann ließen wir alles weg und nahmen nur noch die bloße Hand. Seit Levin feste Nahrung zu sich nimmt, haben sich auch seine Hinterlassenschaften stofflich verändert. Wenn so ein richtiger Haufen an seinem Po klebt, dann nehme auch ich für das Gröbste etwas Klopapier, aber dann geht es wieder zum Waschbecken.
Auch Babykacke kann stinken wie Teufel, aber wirklich eklig empfinde ich es bei meinem Sohn nie. Gregor sagt, mit einem fremden Kind wäre das anders. Es liegt vielleicht an der Bindung zu seinem eigenen Nachwuchs.

Wir bevorzugen also, ähnlich wie bei unserem eigenen Po, eine Reinigung mit purem, reinen Wasser ohne irgendwelche Zusatzstoffe. Damit dieses Konzept aber wirklich dauerhaft überzeugt ist es glaube ich sinnvoll, die Wickelunterlage in der Nähe von Waschbecken oder Toilette aufzustellen und nicht, wie so oft üblich, im Kinderzimmer. Ab und zu höre ich von einzelnen Müttern die ebenfalls auf die Tücher verzichten wollen und sich statt dessen Schüsseln und Waschlappen an den Wickeltisch stellen. Aber mal ehrlich: Dieses Wasser immer bereithalten, am besten handwarm, auswechseln, Waschlappen waschen und das alles während man anstrebt, dass das Würmchen nicht vom Wickeltisch fällt? Wie lange macht man das? Deshalb haben wir uns eine Wickelauflage von meinem Vater Schreinern lassen, die nun auf der Waschmaschine direkt neben dem Waschbecken thront.