Worum geht´s

Jakarta/Indonesien 9/2009
Müllsammler, Slums in Jakarta
(Foto und Copyright© Bettina Flitner T 0171-838 06 88)

Zero Waste Lifestyle

ist das Streben danach, so wenig Müll wie möglich zu hinterlassen.
Dabei geht es nicht darum, wie weit man ist, sondern, dass man anfängt.

Warum sollte man das tun? Was hat meine Welt davon? Und was habe ich persönlich davon? Das erfahrt ihr auf meinem Blog.

Mythos Mülltrennung

ZeroWasteLifestyle_Karneval-Muelleimer_500pxMit dem Beginn des Recyclings begann auch die uferlose Produktion von Verpackungsmüll unter dem Deckmantel einer scheinbar nachhaltigen Kreislaufwirtschaft.

Tatsächlich wird aber nur ein Bruchteil des Kunststoffs wirklich recyclt. Die Kunststoffe werden immer komplexer und vielschichtiger. Zudem sorgen Klebstoffe, Farbstoffe und Verschmutzungen dafür, das immer weniger recycelt werden kann. Kunststoff kann aber nur recycelt werden, wenn er sortenrein ist. Dazu kommt die starke Konkurrenz von billigem Rohöl, bei der das Recycling nicht mithalten kann.

Und: Alles was wir am Straßenrand in den Mülleimer werfen ist Restmüll und wird sofort verbrannt.

In den meisten Fällen nimmt zudem die Materialgüte ab. Recycelte Kunststoffe und Papiere dürfen nicht bei Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden, da sie durch die vorigen Schadstoffe stark belastet sind (z.B. die mineralölhaltigen Druckfarben)

Manche Stoffe, wie Aluminium und Glas lassen sich zwar gut recyceln. Das ist aber immer mit sehr viel Energie verbunden. Außerdem reichen die recycelten Rohstoffe nicht aus um unseren steigenden Bedarf zu decken (noch nicht mal für Alufolie). Ein stetiger Abbau von endlichen Ressourcen ist die Realität mit all ihren negativen Folgen für die Umwelt. Ölkatastrophen, Landzerstörung, Raubbau, Regenwaldrodung, Hinterlassung riesiger vergifteter Landstriche mit den Abfallprodukten der Rohstoffförderung und Aufbereitung.

Ressourcenschonung

Igor GOLUBENKOV-Oiled Bird - Black Sea Oil Spill 11-12-07Alles was wir wegschmeißen wurde einmal produziert. Es wurde produziert aus Ressourcen und Energie, die zum größten Teil endlicher Natur sind. Wer weniger Müll produziert, schont also Ressourcen.

Plastik wird immer häufiger verteufelt, aber auch Papier ist nicht die Lösung – Zumindest nicht die Lösung für das schnelle Einwegprodukt. Denn selbst nachwachsende Rohstoffe können in den Mengen, in denen wir sie verlangen nicht nachhaltig produziert werden. Auch für Papier müssen Bäume gefällt werden. Es muss produziert, transportiert, verkauft und entsorgt werden. All das verbraucht jede Menge Wasser, Energie und Chemikalien. Zudem sind die allermeisten Druckfarben immer noch auf Mineralölbasis, so das Recyclingpapier nur eingeschränkt eingesetzt werden kann.

Papier ist oft die bessere Wahl als Plastik – aber viel besser ist es auch Papier zu vermeiden, wo es nicht sein muss.

Papier – ein Privileg der reichen?

Umweltschutz

Die Förderung von Rohstoffen und die Produktion von Produkten sind immer mit Umweltzerstörung verbunden. Sei es die Landzerstörung, die Freisetzung von Schadstoffen, die Chemikalien für die Verarbeitung oder der CO² ausstoßende Transport. Selbst das nachhaltigste Elektroauto besteht aus so vielen endlichen Rohstoffen und benötigt soviel Energie bei der Herstellen, das sich eine Abwrackprämie ökologisch eher selten lohnt.

Gesundheit

ZeroWasteLifestyle_Einkauf_500pxDie meisten unserer tagtäglich verwendeten Produkte enthalten gesundheitsschädliche Stoffe, die wir einatmen, schlucken oder über die Haut aufnehmen. So emmittieren auch schädliche Stoffe wie Weichmacher aus Kunststoffverpackungen in unsere Lebensmittel und lagern sich in unserem Körper an. Welche gesundheitlichen Folgen dieser stetige Kontakt mit sich bringt, kann bisher niemand abschätzen. Aber steigende Krebs- und Alzheimerfälle und unsere bekannten Zivilisationskrankheiten geben Grund genug zum umdenken.

So schaden wir unserer eigenen Gesundheit. Aber unser Konsum schadet ganz entscheidend auch der Gesundheit vieler anderer Menschen. Arbeiter auf den Feldern für unsere konventionellen Lebensmitteln, stehen quasi in den Pestiziden. Menschen die unsere Produkte fertigen, leiden unter hohem Druck, extrem langen Arbeitstagen, Kontakt zu Chemikalien, schlechten Sicherheitsbedingungen etc. und das alles bei geringstem Lohn.

Nächstenliebe

Die Kirche preist es an, doch handelt sie auch danach? In der Realität hört die Nächstenliebe an der Kasse meist auf. Denn die meisten Produkte die wir kaufen um unser Leben zu „bereichern“ basieren auf Ausbeutung von anderen Menschen und Tieren und auf Kosten unserer Kinder.

Wir zerstören die Lebensräume vieler Tiere und Menschen (z.B. für unser billiges Palmöl), wir gefährden die Gesundheit anderer Menschen (die z.B. unsere billige Kleidung nähen), wir quälen Tiere (z.B. für unser billiges Fleisch), wir entwalden unseren Planeten (z.B. für unsere billigen Möbel), wir verändern unser Klima nachhaltig (z.B. durch unser Autofahren und Fliegen) und wir zerstören die Böden, von denen sich unsere Kinder morgen ernähren wollen (z.B. durch konventionelle Landwirtschaft).

Alles was wir konsumieren hat direkte Auswirkungen auf andere. Wer wirkliche Nächstenliebe leben will, der erkennt diese Verantwortung an und fängt an entsprechend zu handeln.

Müll im Mülleimer

ZeroWasteLifestyle_Plastik-auf-dem-Weg-ins-Meer_500pxZudem ist es ein Mythos zu glauben, all der Verpackungsmüll lände tatsächlich im Müllkreislauf. Das ist in Indien genauso wenig der Fall wie in Deutschland. Mach einfach mal die Augen auf und du wirst Bonbonpapieren, Silvesterknaller und Co. praktisch überall finden.

Einmal freigelassen, verwittert Kunststoff entweder an Ort und Stelle oder weht in den nächsten Fluss und gerät so ins Meer. Hier schwimmen bereits 5 gigantische Müllteppische in der Größe ganzer Kontinente.

Tiere verwechselnd die Teile mit Nahrung und fressen sie. Entweder verhungern sie quasi mit vollem Magen oder strangulieren oder verletzen sich daran. 1 Mio Seevögel und 100.000 Meeresäuger sterben so jährlich.

Einsame Strände sind ohne Müll nicht mehr denkbar. Ob als Mikroplastik oder Flaschendeckel.

Midway Film von Chris Jordan
Die Verbindung zwischen unserem Plastikkonsum und den Weltmeeren ist recht abstrakt. Dieses Stück Kunst kann da Abhilfe schaffen.

Fotostrecke Tödliches Plastik

Plastik. Gefahr in unseren Meeren

Mikroplastik

Kunststoff im Meer verrottet zwar so schnell nicht, aber er zerfällt in immer kleinere Teile. Auch wenn er mit dem bloßen Auge nicht mehr sichtbar ist, ist er immer noch da – als Mikroplastik. Kaum ein Meerestier ist heute noch frei von diesen Plastikpartikeln.Ducan - a warning-small

Aber nicht nur die Fischessenden unter uns bekommen ihren Müll irgendwann zurück. Auch das lang als gesund angepriesene Meersalz ist mit Mikroplastik belastet.

Noch absurder wird es, da wir Mikroplastik sogar ganz bewusst ins Abwasser kippen. So enthalten sehr viele unserer Kosmetik- und Pflegeprodukte bereits Mikroplastik, welches mit dem Abwasser direkt in der Umwelt landet. Kläranlagen können es nicht herausfiltern. Auch der Abrieb unserer künstlicher Kleidung wie Fleece ist nichts anderes als Mikroplastik, welches wir in der Waschmaschine wegspülen oder wir sogar mit unserem Hausstaub einatmen.

BUND Einkaufsratgeber

Befreiung vom Überfluss

Status Quo unserer Gesellschaft sind gestresste Menschen, die nie Zeit haben, Menschen die ständig konsumieren um sich selbst zu beglücken, Menschen die immer etwas haben wollen, in der Hoffnung, dass es ihnen dann besser geht, Menschen die nicht teilen wollen aus Angst etwas zu verlieren, Menschen die abhängig sind von Arbeit und Auto, Menschen die mit dem Fahrstuhl ins Fitnessstudio fahren um dort auf dem Stepper zu schwitzen, Menschen die depressiv sind, krank sind, sich sinnlos fühlen, Menschen die sich immer mit anderen messen müssen und nie genug haben, Menschen die sich immer hässlich fühlen, weil sie um sich herum nur Perfektion sehen. Was aber brauchen wir wirklich um Glücklich zu sein? Wer sich reduziert, der reduziert auch seinen Bedarf und damit seine Abhängigkeit. Die Reduzierung ist gleichzeitig auch eine Befreiung, die man leider erst dann spürt, wenn man es selbst ausprobiert hat.

 

Willst du mehr wissen? Dann empfehle ich dir diese Medien:

 

Bottled Life
Das Geschäft mit dem Wasser

Plastic Planet
Im Zeitalter des Plastik

The true cost
Die wahren Kosten der Textilindustrie

More than honey
Über die Bedeutung der Biene für unser Überleben

10 Milliarden – wie werden wir alle satt
Warum kann unsere jetzige Ernährung nicht alle ernähren und was muss sich ändern, damit wir alle satt werden

Tomorrow
Es besteht noch Hoffnung

2 Comments to Worum geht´s

  1. Jeannette Gropp schreibt:

    Liebe Olga, lieber Gregor,
    ich habe euch gestern bei Stern TV gesehen und muss euch folgendes sagen: Ein ganz großes D A N K E !!!
    Denn ich dachte schon, ich sei allein auf diesem Planeten. Aber spätestens seit gestern weiss ich, ich bin nicht allein. Das meiste, was ihr gestern gezeigt habt, setzen meine Familie und ich auch schon seit langem um. Und auch wenn wir noch nicht so weit sind wie ihr (aber wir nähern uns dem zero-waste-Ziel immer mehr), so haben wir euch eines allerdings voraus: Die Stoffwindeln!! Als wir vor fas 19 Jahren unsere Tochter bekamen, war für uns klar, es kommt kein Plastik („Dreck“) an unser Kind, sondern nur Stoffwindeln und Wollhöschen; und wir sind sehr gut damit „gefahren“ und würden es jederzeit wieder tun. Vielleicht habt ihr ja auch mal Lust, auf meinem Blog vorbeizuschauen, da habe ich das mit dem Kastanien vor kurzem „gepostet“. Nochmals vielen Dank für euren Mut, euch in der Öffentlichkeit zu „outen“, denn leider wird man allzuoft als Spinner abgetan, wenn man von seiner Lebensweise erzählt. Macht auf alle Fälle weiter so, und ich werde euch noch fleißig virtuel besuchen, wenn ich darf 😉 Viele liebe Grüße
    Jeanne

  2. Tanuschka schreibt:

    Vielen Dank für euren Blog! Ich habe hier schon viele wertvolle Tipps gefunden. Ich bin vor ca. einem Jahr auf das Thema Minimalismus gestoßen und darüber u. a. zu Zero Waste gekommen. Das ist ein Prozess, in dem ich mich stetig weiterentwickel und durch euren Blog finde ich immer wieder neue Anregungen.

    Viele Grüße, Tanuschka

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