Bio vs. Zero Waste

Veröffentlicht am: 13. August 2018 |

In meinen Vorträgen und Workshops und in Gesprächen komme ich unweigerlich immer wieder an den Punkt über loses Gemüse bei Rewe und Co zu diskutieren. Der erste Kontakt mit Müllvermeidung stellte auch mich vor das Dilemma, unverpackte konventionelle Gurke oder verpackte Bio Gurke. Und jeder stellt sich die Frage: Was soll das?

Die Erklärung ist recht simpel: Die Bio-Gurke muss von der konventionellen Gurke an der Kasse unterscheidbar sein UND die Biogurke soll möglichst nicht kontaminiert werden. Die Biolebensmittel einzupacken, statt der konventionellen macht in sofern sogar Sinn, weil es insgesamt weniger Bioprodukte gibt und somit der Verpackungsanteil geringer ist. Das klingt zwar logisch, ist aber weder zielführend noch befriedigend, wenn man selbst einen möglichst ethisch korrekten Einkaufswagen haben möchte.
Ich habe das Problem damals für mich gelöst, indem ich nur noch im Bioladen einkaufen ging – hier gibt es dieses Dilemma nicht. Alles ist Bio und fast alles ist unverpackt. Wer jetzt noch die eigenen Stoffsäckchen von zu Hause mitbringt, der kann auch auf die blöden Plastiktüten verzichten, die tatsächlich auch in jedem Bioladen rumhängen. Denn auch von den Bios werden sie ganz rege genutzt. Ja leider ist bio noch lange nicht gleich unverpackt. Unverpackt ist aber auch noch lange nicht gleich Bio! Das wird spätestens auf dem Markt klar, wo man so ziemlich alles unproblematisch unverpackt bekommt – aber eben nicht Bio.

Aber was ist denn nun wichtiger? Newbies in der Zero Waste Szene freuen sich sehr, all die Möglichkeiten des unverpackten Einkaufens kennenzulernen und wahrzunehmen und festzustellen, wie schnell der Hausmüll schrumpft – ganz genauso wie es bei mir war. Da rückt das Siegel schnell in den Hintergrund.

Seid ich selbst ein Lebensmittelgeschäft führe – Einen Unverpackt Laden und einen Bioladen in einem 🙂 (Endlich keine Kompromisse machen) – lerne ich immer mehr, was unsere Landwirtschaft bedeutet. Wo die Sachen angebaut werden, unter welchen Bedingungen, mit welchen Hilfsmitteln und welchen Fördermitteln. Das Fazit, das ich soweit geben kann: Unsere Landwirtschaft ist in einem katastrophalen Zustand!! Ohne Übertreibung – Einfach nur katastrophal. Und zudem auch noch eine staatlich geförderte Katastrophe. Seit ich mehr und mehr die Augen öffne wird mir immer klarer, die Verpackung ist meist das kleinste Problem an unseren Lebensmittel:

Tierwohl

Unsere moderne Tierhaltung ist die reinste Qual, von der Haltung über Transport bis zur Schlachtung. Laut Fleischatlas 2018 weisen 53% der Masthühner Knochenbrüche auf, 38% der Milchkühe leiden unter Euterentzündungen, bis zu 30% an lahmen Gelenken. 80% der Mastschweinen sind verletzt oder an den Atemwegen erkrankt. Außerdem werden die Schwänze abgeschnitten, damit sie sie sich in der Enge nicht gegenseitig abkauen – ohne Betäubung.
Jeder der irgendwo ein Stück Fleisch ißt, wo nicht Bio – draufsteht, der muss davon ausgehen, dass es aus sehr bedenklichen Haltungsweisen kommt. Auch wenn das Fleisch vom regionalen Bauern kommt, heißt das nicht, dass das Tier je Tageslicht gesehen hat.

Gerade für Tierprodukte, also nicht nur Fleisch sondern auch Milchprodukte und Co. ist es auch durchaus sinnvoll auf strengere Siegel, wie Demeter zu setzten, da die Mindestkriterien des EU-Biosiegels,in Bezug auf Tierwohl noch sehr viel Luft nach oben lassen.

Klimaschutz  

Wer Verpackungen vermeidet, weil nicht nachwachsende Rohstoffe verschwendet werden, der wird staunen, worauf unsere industrielle Landwirtschaft gebettet ist. Zur Herstellung von Pestiziden und Düngemitteln sind enorme Mengen an fossilen Energieträgern notwendig. 5% des weltweiten Erdgasverbrauches werden zu Düngemitteln verarbeitet. Wer Biolebensmittel konsumiert, reduziert also den Verbrauch von fossilen Energieträgern, weil hier synthetische Düngemittel nur in minimalsten Mengen erlaubt sind. Die Verpackung hat hier wahrscheinlich meist den kleineren Anteil.

Kontrollen

Kritik kommt immer wieder auf, wenn ein schwarzes Schaf unter den Bioproduzenten herausgefischt wird. Die Kritik ist unbegründet. Durch die zwingenden regelmäßigen Kontrollen, werden solche Ausreißer gefunden und beseitigt. Konventionelle Produkte unterliegen gar keine Kontrolle. Hier ist so ziemlich alles erlaubt. Selbst wenn es immer noch etwas gibt, was man besser machen kann, ist Bio immer besser als konventionell!

Pflanzenschutz

Des einen Schutz ist des anderen Verhängnis. Pflanzenschutzmittel schützen die Akerpflanzen, weil sie Insekten, Pilze und Mikroorganismen vernichten. Unser flächendeckender Einsatz von Pflanzenschutzmittel hat mittlerweile zu einem Rückgang unserer Insekten um 80% geführt. Keine Insekten, bedeutet auch keine Vögel, keine Nützlinge und keine Bestäubung. Insekten sind also nicht bloß lästig, sondern für unser Fortbestehen überlebenswichtig. Einige Bienenarten sind bereits vom Aussterben bedroht. Da wir kaum noch Wiesen in unserem Land haben, die einfach nur in Ruhe gelassen werden, sinkt die Biodiversität dramatisch ab.

Gentechnik

In der EU ist Gentechnik verboten. Indirekt als Futtermittel für unsere Masttiere jedoch nicht. Sie bekommen billiges genverändertes Soja, welches zu einem großen Teil mitverantwortlich ist, an der Abholzung des Regenwaldes. Wer importierte konventionelle Lebensmittel konsumiert, hat ebenfalls keinen Garant für Gentechnikfreiheit. Bei Biolebensmitteln ist Gentechnik ebenfalls verboten. Welche Folgen die Gentechnik haben wird oder haben kann ist sehr umstritten und ziemlich ungewiss.

Gesundheit

Biolebensmittel sind gesünder. Es sind deutlich weniger Pestizide enthalten. Antibiotika sind nur im Einzelfall erlaubt. In der konventionellen Tierhaltung ist eine Antibiotikagabe flächendeckend notwendig, damit die Tiere ihre Qualen überleben. Antibiotikarückstände verbleiben in den Lebensmitteln und gelangen in die Umwelt. Das wiederum beflügelt die Entwicklung multiresistenter Keime. Noch wähnen wir uns in Sicherheit, aber in Krankenhäusern wird es zunehmend zum Problem, das immer häufiger kein Antibiotikum mehr wirkt.

Nachhaltigkeit

Konventionelle Landwirtschaft ist das genaue Gegenteil von nachhaltig: Äcker werden überdüngt und mit Pestiziden von jedem Leben befreit, wertvolle Humusschichten werden vernichtet, so dass immer mehr gedüngt werden muss – eine Abwärtsspirale. Düngemittel und Pestizide gelangen in Gewässer und ins Grundwasser und verunreinigend diese zunehmend. Sauberes Trinkwasser zu gewinnen wird damit immer teurer werden.

Fazit

Am liebsten konsumiere ich zwar immernoch Bio, unverpackt, regional, saisonal und vegan. Aber seit mir all das bewusst ist, steht für mich die Verpackung der Lebensmittel nicht mehr an 1. Stelle. Dann lasse ich sie lieber ganz weg. Wer nicht so standhaft ist und sich entscheiden „muss“, mein ganz klarer Favorit: Lieber Bio als unverpackt!

Weiter Lesen

Landwirtschaft ist sehr komplex. Meine Darstellung soll nur einen vereinfachten Überblick übers Thema geben. Wenn ihr Interesse bekommen habt, euch mehr mit

dem Thema auseinander zu setzten und euch gar für eine positive Entwicklung in der Zukunft einzusetzen empfehle ich euch folgendes:

Aktion Agrar

Kampagnen für die Agrarwende

Fleischatlas

Rezepte für eine bessere Tierhaltung. Spannende Infos, wie es wirklich abgeht in unserer Tierhaltung und was wir verbessern können.

Ernährungsrat

Lokal aktiv werden für die Agrar- und Ernährungswende

Solidarische Landwirtschaft

Biologische, regionale, saisonale, Fair bezahlte und nicht marktgebundene Landwirtschaft ohne Lebensmittelverschwendung

15 Comments to Bio vs. Zero Waste

  1. Christina Amann schreibt:

    Toller Artikel! Danke für die Entscheidungshilfe, falls ich um den Supermarkt nicht herum komme!

  2. Darwin schreibt:

    Hallo Olga,

    ich stehe „bio“ leider kritisch gegenüber. Zum Beispiel war ich vor einigen Jahren auf einem Biogeflügelhof. Die Tiere waren keinesfalls in besserem Zustand als in konventionellen Betrieben.
    Zwar hatten die Hühner noch den ganzen Schnabel, allerdings auch mehr entsprechende Verletzungen. Laut Aussagen wurden auch weniger Medikamente eingesetzt, die Konsequenzen sah man aber auch am Zustand der Hackverletzungen.
    Auf dem Gelände befand sich ein fantastisches großes Freigehege, die Tiere aber drängten sich im Stall daneben. Antwort auf das Warum: In letzter Zeit habe es zuviel Raubvogelschlag gegeben. Offenbar gab es zumindest seiner Zeit für diesen Fall Ausnahmeregelungen betreff der Freilandvorgaben.
    Auch beim Thema Pestizide bin ich zwiegespalten. Häufig erlebe ich das Menschen die Rechnung: bio gleich gesund, Chemie gleich ungesund aufstellen. Tatsächlich sterben, seit wir Chemie in der Nahrungsmittelproduktion einsetzen, weit weniger Menschen am Genuss von Lebensmitteln als früher. Mutterkorn am Getreide, diverse Keime in Fleisch- und Milchprodukten, EHEC auf Gemüse, alles „natürliche“ Produkte die so einigen Menschen das Leben gekostet haben.
    Natürlich wäre es wünschenswert, dass der Mensch im Einklang mit der Natur lebt. Bei unseren „Ansprüchen“ und der momentanen Bevölkerungsdichte glaube ich aber nicht, dass das noch möglich sein wird. (Man stelle sich den „Lebensmittelskandal“ vor, wenn wieder vermehrt Mutterkorn im Müsli auftaucht, oder eine neue EHEC- Hysterie ausbricht und wieder eine Gurkenphobie auslöst.)
    Sicher ist Demeter ein guter Ansatz, aber der Ernteausfall ist dann eben entsprechend hoch. Eine komplette Umstellung auf Demeter würde eine Hungersnotpanik auslösen, weil es dann höchstens noch ausreichend Nahrung gebe. Und wir sind doch die Sicherheit gewohnt mehr als genug wegzuschmeißen – äh zu essen mein ich natürlich.
    Abgesehen davon, dass sich die meisten sogar zu fein sind mal einen Apfel mit braunen Stellen zu essen. Es gibt inzwischen einfach zu viele Menschen und vorallem zu viele ignorante, dumme Menschen, die jeglichen Bezug zur Natur verloren haben. (Originalzitat: „Häh, was hat Käse mit ner Kuh zu tun?“)
    Persönlich sehe ich als letzten Weg um unseren gewohnten „Standard“ zu erhalten die Gentechnik.
    Mit ihrer Hilfe könnte es gelingen Mikroorganismen zu kultivieren die Plastik abbauen (und dabei bestenfalls Energieträger als Abbauprodukt entstehen), Pflanzen anzubauen die weniger Pestizide, Dünger und Wasser benötigen, Proteinquellen zu erschließen für die kein Tier leiden muss („Fleisch aus dem Kultivator“) etc.
    In der Pharmaindustrie werden schon heute enorme Mengen Chemikalien eingespart durch den Einsatz von GVOs. Deshalb kann ich auch diesen risikoreichen Eingriff in die Natur nicht verteufeln.
    Machen wir so weiter wie bisher bleibt zu hoffen, dass die Natur durch ihre Genialität auch weiterhin unserer Zerstörungswut, in für unsere Zwecke ausreichendem Maß, standhält. Letztendlich ist es die Anpassungsfähigkeit und Intelligenz im Pflanzen und Tierreich die bis jetzt verhindert hat, dass sich der Mensch durch die Zerstörung seiner eigenen Lebensgrundlage noch nicht selbst vernichtet hat. (An dieser Stelle einen Applaus für den Homo SAPIENS SAPIENS und seine wahnsinnige Intelligenz haha)
    Ich finde es sehr schön, dass du dir soviele Gedanken machst und ein Blog wie deiner macht Mut. Aber oft verliere ich auch die Hoffnung, dass Menschen wie du noch was retten können, in Anbetracht der täglichen Konfrontation mit der grenzenlosen Dummheit und Ignoranz des Menschen (Kampf gegen Windmühlen?). Um so mehr freue ich mich dann, wenn ich eine Baumwurzel entdecke die einfach mal den Beton aufbricht. Die Natur ist noch immer stolz und mächtig (bin großer Gewitterfan) der Mensch ist dagegen klein und schwach. Bleibt zu hoffen, dass mehr Menschen einsehen, dass WIR auf die Natur angewiesen sind, und nicht umgekehrt.
    Ansonsten müssen wir wohl mit der für uns unangenehmen Situation klar kommen, dass sich der Bestand der Spezies Mensch dramatisch verringern wird, sei es durch multiresistente Keime, Naturkatastrophen, Dürre, Hungersnot oder dadurch bedingte Kriege.
    Kennst du noch die alte Greenpeace- Karikatur? Die Erde sagt bedrückt zur Sonne: „Ich hab Homo Sapiens.“ Antwortet die Sonne: „Keine Sorge das geht vorüber.“

    Liebe Grüße

    • Olga schreibt:

      So wie du, denken viele. An fundierte Informationen heranzukommen ist leider auch wirklich nicht leicht. Ich möchte dir auf deine Bedenken antworten so gut ich kann.
      – Ich stimme 100% damit überein, dass das EU Bio Siegel für Tierprodukte zu wenig ist. Es ist aber ein Mindeststandard, den wir ohne das Siegel gar nicht hätten. Wer den Bio-Hof kennt, von dem sein Fleisch kommt, der hat zusätzliche Kontrolle. Regional ist aber noch lange nicht Bio!
      – Pestizide sind nicht nur im Nahrungsmittel ein Problem, sondern zerstören die komplette Biodiversität in unserer Umwelt.
      – In kleinbäuerlichen Biostrukturen ist die Wahrscheinlichkeit von gefährlichen Keimwellen deutlich geringer. Bio alleine reicht meiner Meinung nach nicht aus. Wir müssen wieder weg von Megabetrieben.
      – Wir könnten die ganze Welt mit Biolebensmitteln ernähren. Tatsächlich ist dafür weniger Fläche notwendig, wenn Permakulturellen Grundsätzen gefolgt wird. Lediglich benötigen solche Konzepte mehr Arbeitskräfte. Vielleicht ist das sogar eine Chance für die Probleme auf dem Arbeitsmarkt. Lebensmittel würden teuer werden, aber müssen sie auch.
      – Wir schmeißen einen Großteil unserer Lebensmittel weg. Wir hätten kein Problem die Welt zu ernähren, wenn wir das nicht tun würden und wenn wir nicht einen großen Teil der Nahrungsmittel als Futtermittel einsetzten würden.
      – Man muss gar nicht ignorant sein, um nicht zu wissen, dass Käse von einer Kuh kommt. Woher soll das Wissen kommen? Wir lernen es nirgends wo mehr und kommen mit den Erzeugern nicht mehr in Kontakt. Könnte sich von mir aus ebenfalls ändern.
      😀 Ich kenne die Karikatur und manchmal denke ich auch so fatalistisch. Dann konzentriere ich mich aber auf das, was ich und viele andere schon erreicht haben, mit ihrer täglichen Arbeit. Ich bekomme sehr deutlich mit, wie sich in der Gesellschaft ein Wertewandel einschleicht. Jeder der mitmacht, puscht diesen Wandel – auch du!

      • Darwin schreibt:

        „Man muss gar nicht ignorant sein, um nicht zu wissen, dass Käse von einer Kuh kommt. Woher soll das Wissen kommen? Wir lernen es nirgends wo mehr und kommen mit den Erzeugern nicht mehr in Kontakt.“ – Und genau das meine ich mit ignorant. Es ist in meinen Augen selbstverständlich das jeder von selbst hinterfragt woher das Essen auf unseren Tischen kommt und was man da eigentlich isst. Mein Sohn hat das im Kindergartenalter getan. Ich habe in Zeiten von Internet, Bibliotheken, Dokusendern und Schulpflicht kein Verständins dafür, wenn man als Erwachsener noch nie hinterfragt hat was Käse ist.
        „Wir könnten die ganze Welt mit Biolebensmitteln ernähren.“ – Wie kannst du da sicher sein? In der Geschichte hat sich gezeigt, dass es in der Vergangenheit nicht möglich war. Warum sollte es jetzt funktionieren? Weil wir momentan Lebensmittelüberschuss haben? Das kann kein Argument sein, denn das haben wir ja nur wegen der Großbetriebe und dem Einsatz von Pestiziden. Unterhalte dich mal mit einem Demeterbetrieb über Ausfälle und die Gründe dafür, das ist wirklich sehr aufschlussreich und interessant. Demeterprodukte sind ja nicht so teuer, weil sie so viel besser sind, sondern weil viel weniger bei der Ernte abfällt. Permakultur ist eine super Sache und eigentlich so logisch, dass man sich fragt warum das nicht ohnehin selbstverständlicher Standard ist. Aber sie ist auch kein Wundermittel. Ich wäre mit solchen Behauptungen daher sehr vorsichtig.
        „In kleinbäuerlichen Biostrukturen ist die Wahrscheinlichkeit von gefährlichen Keimwellen deutlich geringer. “ Auch das bezweifle ich. Siehe Hungernot in Irland wegen Kartoffelfäule. Das waren Kleinbauern ohne Pestizide. Gut da könnte man wieder sagen zu viel Monokultur, aber es gab ja auch dafür wieder Gründe. Man kann halt nicht auf jedem Boden alles pflanzen. Und mir ist auch kein Beweis dafür bekannt, dass wir häufiger Keimwellen hätten seit es Großbetriebe gibt, im Gegenteil.
        Wäre schön wenn alles so einfach wäre wie wir uns das vorstellen. Mir hilft es da immer sich mit Landwirten, o.ä. persönlich zu unterhalten und die Dinge mal genau zu betrachten und zu hinterfragen. (Oft erfährt man da von Problemen über die in TV und Co keiner spricht, weils zu langweilig ist oder das keiner hören will.) Da mein Vater Agraringenieur ist und ich BioTA bin habe ich zum Glück viele Möglichkeiten dazu. Ehrlich gesagt macht es mich manchmal auch wütend wie ungerecht wir Ökos gegenüber den Landwirten teilweise sind; oftmals aus Mangel an Naturwissenschaftlicher – Bildung v.a. im Agrarbereich.

        • Olga schreibt:

          Mangel an Bildung haben wir sicherlich alle. Und auch ein Bauer weiß nicht alles, genauso wie ein Bio TA. Tatsächlich ist es wirklich schwer vorstellbar, dass das alles nicht sein muss, weil wir uns so sehr dran gewöhnt haben. Ich bin und bleibe aber der festen Überzeugung das das so ist. Dahin zukommen ist alles andere als einfach – aus unserer jetzigen Situation, deshalb gar nicht zumachen, halte ich aber für fatal. Ganz im Gegenteil, halte ich mich nicht mit all den Gründen auf warum etwas nicht gehen kann. Ich mache einfach und schaue wie weit ich komme. Mehr davon würde ich mir auch auf dieser Ebene wünschen.

  3. David schreibt:

    Wow! Ein sehr spannender Artikel!
    Ich finde es unfassbar inspirierend, wie sehr du dich für den Umweltschutz engagierst und es ist auch sehr interessant zu erfahren, was dir besonders bewusst und klar geworden ist dadurch, dass du einen eigenen Laden hast. Das sind Einblicke, die einen zum Nachdenken anregen.
    Du hast sogar ein eigenes Buch geschrieben, das ist für mich auf jeden Fall jetzt ein must-read, ich denke daraus kann ich noch einiges lernen und mitnehmen, sau cool! Mach weiter so mit allem was du machst, ich unterstütze das mit voller Überzeugungskraft! ^^

  4. Carina schreibt:

    Hallo Olga,
    Ich finde es wunderbar inspirierend auf wie vielen unterschiedlichen Arten und Weisen du dich mit einem nachhaltigen Leben beschäftigst und das hat mir gezeigt wie weitgreifend dieses ganze Thema ist. Es geht eben nicht nur darum möglichst wenig Müll zu produzieren, sondern unsere täglichen Entscheidungen zu hinterfragen und sich einen Blick hinter die Kulissen der Produkte (mit ihren vielen tollen Siegeln etc.) zu verschaffen.
    Ich finde deinen Blog und deine ganze Arbeit unfassbar toll, du bist (m)ein großes Vorbild:)

  5. Zero Waste Rhein-Sieg schreibt:

    Bio+unverpackt ist das nonplusultra, wenn ich dann noch weiß wo genau es her kommt, bin ich glücklich.
    Ich arbeite im Krankenhaus und bin immer wieder am Schmunzeln, wenn Patienten Angst vor MRSA haben – sicher zurecht – aber jeden Tag Fleisch und Wurst vom Discounter auf dem Teller haben. Ich kläre immer gerne auf woher der Keim eigentlich kommt und dass er nachwievor in den Produkten nachweisbar ist.

    Einziges Manko für mich als Vegetarier ist und bleibt das Katzenfutter. Unsere zwei Ladys kamen erst im mittleren Alter zu uns und nehmen DIY-Rezepte mit Biohuhn etc. nicht an, somit geht nur konventionell+verpackt und es ist derzeit unser einziger gelbe-Tonne-Produzent – keiner wäre mir lieber!!

    • Olga schreibt:

      MRSA ist in Discounterfleisch nachweisbar?
      Den meisten Menschen ist der Zusammenhang vieler Dinge nicht bewusst.

      Gerade was Haustiere angeht, finde ich es auch immer sehr sonderbar, dass wir die einen Tiere lieben und alles für sie tun und die anderen Tiere quälen und schlachten, um die geliebten Tiere zu füttern. Das könnte ich wiederum nicht.
      Wirkliche Alternativen kenne ich aber auch nicht.

  6. Malin schreibt:

    Liebe Olga,
    vielen Dank, dass du das Thema so gut hinterfragt hast. Du hast in vielen Punkten absolut Recht. Nichtsdestotrotz bin ich über einen Punkt gestolpert, der mich gestört hat, weil er nicht sachlich, sondern etwas reißerisch formuliert ist. Du schreibst:

    „Viele laufen mit gebrochenen Knochen herum, Kühe haben unentwegt Euterentzündungen.“

    Definiere „Viele“. Ich habe als Großtierarzt gearbeitet und schlimme Dinge gesehen. Knochenbrüche gehörten zur Seltenheit. Vielleicht beziehst du dich auf den Zustand von Schlachtkörpern bei denen häufig nach dem Tod Knochen brechen durch das Aufhängen?
    Bei Kühen muss unentwegt darauf geachtet werden, dass sie keine Euterentzündungen bekommen. Ist korrekt. Aber das ist etwas anderes als „Kühe haben unentwegt Euterentzündungen“. Aber nicht jede Zellzahlerhöhung kann mit Euterentzündung gleichgesetzt werden. Trotzdem bin ich ganz auf deiner Seite, wenn es darum geht zu fordern, dass Haltungsbedingungen und Zuchtstandards verändert werden müssen. Das ist aber ein sehr komplexes Thema, das nur EU-weit gelöst werden kann.

    Ich entschuldige mich falls ich mich geirrt habe und lasse mich gerne eines Besseren belehren.
    Ich plädiere lediglich für Sachlichkeit und Korrektheit und die Dinge differenziert von allen Seiten zu betrachten.

    Liebe Grüße

  7. Fjonka schreibt:

    Zu demselben Schluß bin ich auch gekommen (lieber bio als unverpackt) Aber bio UND unverpackt ist ja zumindest bei Obst und Gemüse wirklich nicht soooo schwierig, obwohl ich mich (als Verkäuferin im Bioladen) oft wundere, wie viele Leute auch dort gern zu den abgepackten Sachen greifen, selbst wenn es dasselbe ohne Tüte/ Schachtel daneben noch einmal zum selben Preis gibt….
    Zusätzlich meine ich inzwischen: lieber bio als regional (wenn es bio UND regional nicht gibt), denn wenn ich konventionell/regional esse, dann fördere ich ja konsequent Glyphosat und Co gleich nebenan! Und besser bio woanders als konventionell irgendwo! Finde jedenfalls ich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.