Gedanken nach 4 Jahren Zero Waste – Teil II

Veröffentlicht am: 10. Juli 2017 |

Die Schönheit von Zero Waste

Als ich anfing mit Zero Waste war auch mein Haushalt ein Plastik Eldorado. Und plötzlich war ich der Meinung, das muss alles raus. Ich wollte mein Leben von all dem billigen Scheiß befreien. Ich mistete rigoros aus und sortierte überflüssigen Plunder aus. Welch eine befreiende und reinigende Wirkung das hat, kann man niemanden erklären, man muss es wohl selbst ausprobieren. Manchmal war ich aber auch ein wenig zu motiviert, immer im Kopf die großen Vorbilder, mit ihren cleanen Haushalten wo alles am rechten Fleck sitzt am besten auch nichts mehr aus Plastik besteht – es ging vor allem um Stil.

Aber sollte ich deswegen gleich alles neu kaufen? Wie viele stehen vor dieser Frage.
So ging auch der letzte Sprühreiniger drauf, zu Gunsten eines dauerhaften Modells aus Edelstahl. Der Sprühkopf ist aber immer noch aus Plastik und als so dauerhaft erweist sich das Gerät auch nicht. Im Nachhinein würde ich sagen, das hätte ich mir auch sparen können.

Im Laufe der Zeit hat sich der Fokus verschoben. Es stehen für mich ganz klar die Inhalte im Vordergrund und der Grund warum ich das Ganze mache. Und das ist nunmal mein Leben auf einen verträglichen Ressourcenverbrauch zu reduzieren und andere Menschen und Tiere so wenig wie möglich auszubeuten. Mittlerweile habe ich mich entschieden den übrigen alten Kram (der noch in Gebrauch ist) zu behalten. Das sieht zwar nicht immer so clean aus, wie bei den großen Zero Waste Vorbildern. Dafür entspricht es aber mehr dem Credo, je länger etwas in Gebrauch ist, desto länger dauert es, bis nach produziert werden muss. Heute würde ich die letzte Sprühflasche demnach behalten und sie einfach wieder auffüllen bis sie kaputt ist. Es ist zwar nicht so cool sie zu kaufen, aber wenn man sie einmal hat, tut sie wunderbar ihren Dienst.

Und doch ist auch ein stilvoller Lebenswechsel sinnvoll. Denn vor allem das Schöne und Ästhetische ist es, was einem ein gutes Gefühl gibt und motiviert dran zu bleiben. Ein Abstellraum mit Vorratsgläsern voller bunter Lebensmittel sieht einfach schöner aus, als die übliche Flut von Plastikverpackungen. Ein Kühlschrank ohne Fertigpackungen macht direkt einen frischeren guten Eindruck, Eine Trinkflasche aus Edelstahl ist wertiger als eine aus Plastik und auch ein Zero Waste Badezimmer ist eine Augenweide. Es ist alles so klar, so reduziert, so natürlich ästhetisch.
Das ist es auch, was Mitmenschen neugierig macht, sich dem Thema ebenfalls zu nähern. Und das macht letztlich am meisten Sinn. Denn wenn wir alle ein bisschen mitmachen, aus welchem Grunde auch immer, fallen auch kleine Veränderungen wirklich ins Gewicht.

Das aller beste kommt zum Schluss

Picknick und Grillsaison sind in vollem Gange und auch wir lieben es, die warme Jahreszeit zu nutzen um möglichst viel Zeit draußen und unterwegs zu verbringen. Wenn ich früher in den Park zum Grillen fuhr, so durfte der Müllbeutel nicht fehlen. Denn ich war ja schon immer ein anständiger Bürger, der seine Reste in den Mülleimer wirft und wenn dieser voll ist, die Säcke anständig daneben aufstapelt. Auch echauffierte ich mich darüber, warum es so wenig Mülleimer gibt, da wäre es ja kein Wunder, dass so vieles auf dem Boden landet.

Heute würde ich mir häufig wünschen, es gäbe gar keine Mülleimer und schon gar keine Müllabfuhr, so dass wir mal sehen, wie viel da immer zusammen kommt. Außerdem war mir früher auch nie bewusst, was für ein Kostenaufwand es ist, alle Mülleimer in der Stadt zu leeren und zu pflegen. Kosten die wir alle tragen mit unseren Steuern.
Und schon gar nicht war mir klar, dass es ja ein Restmülleimer ist. Alles was wir dort hinein geben wird nicht getrennt, also auch nicht recycelt sondern nur noch verbrannt. Und wer schon mal am frühen morgen in den Parks unterwegs ist, der kann gut beobachten, wie allerlei Wildtiere in den Mülleimern und Tüten herum picken und wühlen auf der Suche nach Essensresten. Nicht nur, dass sie dabei Dinge essen, die nicht mal ein gesunder Magen verwerten kann, so verteilt sich der Müll auch in der Umwelt.

Eigentlich ist es also gar nicht so anständig, den Müll in den Mülleimer zu bringen. Viel anständiger wäre es, ihn mit nach Hause zu nehmen und dort sachgerecht zu trennen. Aber wer hat denn da Bock drauf? Keiner! Und ich auch nicht. Umso besser ist es, dass ich das auch gar nicht mehr muss.

Denn wenn wir zum Picknicken oder Grillen gehen, dann gibt es fast nichts was wir wegschmeißen müssen. Das einzige was bleibt ist eine Handvoll Kronkorken. Während andere Gruppen Säckeweise Müllbeutel wegschleppen, packen wir die Kronkorken in die Hosentasche und fahren nach Hause.Ganz klar müssen wir zuhause auspacken und Teller spülen und wegwerfen wäre für uns leichter. Die Arbeit ist es uns aber wert.

Die Kronkorken stören mich zwar schon noch und ich wünsche mir immer mehr Getränkehändler würden Flaschen mit Ploppverschluss verwenden. Die Kronkorken machen mir aber auch immer wieder bewusst wie besonders es ist, gar nichts zu hinterlassen. Und das fühlt sich echt gut an.

 

7 Comments to Gedanken nach 4 Jahren Zero Waste – Teil II

  1. Mondschatten schreibt:

    Ich hatte mein Schlüsselerlebnis im Urlaub. Wir haben es zu dritt in 10 Tagen geschafft, 1,5 gelbe Säcke, einen halben Müllsack Restmüll (inklusive Bio, dafür gab es keine Entsorgungsmöglichkeit) und einen Karton Papier und Pappe zu produzieren. Bis dahin war mir nicht bewußt, wie viel Müll wir produzieren. Ich habe auch eher darauf geachtet, Müll nicht sinnlos wegzuwerfen. So haben wir immer die Plastikverpackung von Klopapier als Mülltüte benutzt und die Plastikverpackung von Cocktailtomaten als Minigewächshaus.
    Allerdings war die Müllmenge im Urlaub dann doch zu viel.
    Jetzt versuche ich, müllfreier zu leben. Ich gehe weiterhin mit Korb einkaufen, nehme inzwischen auch Beutel für Kleingemüse und Brot mit. Ich lasse mit Käse in eine mitgebrachte Box geben (hat bislang immer geklappt). An der Fleischtheke habe ich mir Hackfleisch in meine Box füllen lassen. Die Dame hat mir auch die Box mit Hack gefüllt, dann die komplette Box in eine Tüte gepackt, weil sie den Bon auf die Tüte kleben „muss“. Klar, ich könnte ja sonst diverse Schätze im Hackfleisch vergraben.
    Unser Haus ist ein Plastik-Eldorado. Ich habe massenhaft Plastikboxen, die alle sehr dicht sind, und die wir regelmäßig nutzen, weil wir mittags unser Essen (meistens Salat) mit zur Arbeit oder zur Schule mitnehmen. Die wegzuwerfen und gegen Edelstahl auszutauschen wäre mir ehrlich zu viel Müll.
    Gewaschen habe ich seitdem nur mit Efeu und bin restlos begeistert. Die Wäsche ist sauber und riecht frisch. Weichspüler benutzen wir seit 10 Jahren nicht mehr.
    Ich suche noch Vollkorntoast, ist bei uns in den Bäckereien nicht zu bekommen.
    Wir leben sehr ländlich, der nächste Unverpackt-Laden ist 40 km entfernt, der nächste Metzger 10, genau wie der nächste Bioladen. Zur Arbeit fahre ich 15 km – mit dem Auto, für die Berg-und-Talfahrt bin ich nicht fit genug.

    • Olga schreibt:

      Das sind Gründe, warum ich den Gestank und den Lärm der Stadt ertrage. Hier gibt es mehr Einkaufsmöglichkeiten und ich brauche kein Auto.
      Vielleicht ist es etwas für euch, ein paar Grundnahrungsmittel wenigstens in Großen Säcken zu bestellen. Die kommen dann meist auch in Papier. Das haben wir anfangs auch so gemacht, und dann mit Bekannten geteilt.

  2. Kirsten schreibt:

    ich habe vor ca. einem Jahr eingesehen, dass es so nicht weiter gehen kann und habe vieles schon umgestellt, aber es kommen immer noch neue Ideen dazu. Am meisten Spass habe ich damit, meine Putzmittel und Waschmittel selber herzustellen, dann habe ich immer ein besonders gutes Gefühl. Es gibt aber einige Dinge die ich für nötig halte, die ich leider nur in Plastik Verpackung erhalte, aber auch da habe ich für mich den Kompromiss geschlossen, dass ich schon viel erreicht habe. Da ich nur noch feste Seife benutze habe ich kein Problem mit der Plastikflache und bei meine Putzmitteln nehme ich seit einem Jahr die alten Überbleibsel und habe ein gutes Gefühl dabei.

    LG Kirsten

  3. Maria Widerstand schreibt:

    Hallo!

    Ich habe mit einem Seifenspender eine ähnliche Erfahrung gemacht wie Du. In einem Kunststoffseifenspender bewahre ich nämlich seit Jahren das Geschirrspülmittel auf. Also musste einer aus Edelstahl her, als mein Kunststoffverzicht begann.

    Das Geschirrspülmittel bekam ich ja verpackungsfrei abgefüllt, also war das die (scheinbar) beste Lösung.

    Leider ging er schnell kaputt, er wurde rostig (soll mir mal einer erklären bei Edelstahl!) und irgendwann hatte er einen Sprung (wie gib es denn das???).

    Nun habe ich einen aus Keramik mit einem Kunststoffteil zum Drücken. Nicht so perfekt aber er funktioniert einwandfrei seit vielen Jahren.

    Ich habe auch einige größere Kunststoffbehälter und für den Aufwasch auch noch alte Kunststoffkübel. Es macht wirklich keinen Sinn, alles neu zu kaufen und alles weg zu werfen.

    lg
    Maria

    • Aeris schreibt:

      Hallo,
      ich finde es auch viel zu schade, Dinge, die man schon hat und die noch gebrauchsfähig sind – und die man selbst auch benutzt! – wegzuwerfen oder wegzugeben, selbst wenn sie aus Plastik sind. Selbst, wenn ich sie weggebe, könnte sie die empfangene Person bald wegwerfen und sie sind unnötig produziert worden und landen vllt. in der Umwelt. Genau das wollen wir doch vermeiden.
      LG

      • Viktoria schreibt:

        Ich glaube, man sollte da aufpassen. Plastikfrei und Zero Waste sind da streng genommen 2 unterschiedliche Lebensstile. Klar überschneiden sie sich. Aber an diesen Beispielen zeigt sich, dass Plastikfrei nicht Zero Waste ist. Aber solange Zero Waste überwiegt ists auch gut.

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