Mit dem Umstieg auf Zero Waste ging es mir nicht nur darum, alles herkömmlichen Produkte durch Zero Waste Produkte zu ersetzten. Denn sind wir mal ehrlich, alles was wir verwenden hinterlässt Müll und basiert auf Ressourcen. Deshalb ist das Leitmotiv auch immer die Reduktion. Beim Haarewaschen hieß es schon früh, nicht mehr wie vorher jeden Tag waschen, sondern die Haare sukzessive an längere Waschpausen gewöhnen. Ich merkte schnell wie sich meine Lebensqualität steigerte, weil ich mich nicht jeden Morgen erst duschen musste bevor ich nicht mehr aussah wie eine Fritteuse. 5-7 Tage konnte ich zu spitzen Zeiten gut erreichen und dann begegnete ich Ellen. Die irgendwann beiläufig verlauten ließ, dass sie ihre Haare gar nicht wäscht 😮

Ihr könnt euch vorstellen, dass mich das neugierig machte und ich sie einlud ihre Geschichte zu teilen.

Gastbeitrag von Ellen Spiegel – Wie alles begann…

2008 hatte ich seit langem zum ersten Mal Zeit für mich, begann unter anderem über die üblichen Schampoos nachzudenken und wechselte zunächst auf festes Schampoo, biologisch und vegan. Einige Wochen nach erfolgreichem Wechsel dachte ich noch immer über Haar- und Körperpflege nach. Wie es wohl früher war, in einer natürlichen Umgebung, wie bei Naturvölkern und wie von der Schöpfung gedacht? Im Netz las ich Berichte einzelner Frauen aus der ganzen Welt auf ihrem No-Poo-Weg.

Kein Schampoo? So gar nicht? Ich war fassungslos. Mein damaliger Haarwaschrhythmus war alle 5-7 Tage. Ich begann also munter meine 7 Tage Spanne zu überschreiten. Es wurden 11, ich hielt es nicht mehr aus und wusch meine Haare – diesmal nur mit Wasser.

Das Ergebnis war grauenvoll. Die Haare klebten aneinander als wäre eine Masse ähnlich einem Pritstift oder Kleister in ihnen. Weißlich und fest. Sollte das das Beste sein? Ich zweifelte sehr. Auch nach dem Kämmen wurde es nicht viel besser. Meine Haar sind grundsätzlich eher lockig und dicker in ihrer Stuktur, daher hatte ich nur einen groben Lockenkamm. Nachdem ich mich einen halben Tag gequält hatte, stoppte ich das Experiment.

Das Thema ließ mich aber nicht mehr los. Ich suchte im Netz nach Erklärungen für meine schreckliche Ersterfahrung mit „No-Poo“. Es gab offensichtlich sehr viele Unterschiede: Von „No-Poo“ war die Rede, wenn Haare (statt mit flüssigem Schampoo) mit festem Schampoo, der Natron-Essig-Methode, wie auch Roggen- (oder andere Sorten von) mehl, Heilerde, Alepposeife, mit frischer Zitrone oder Mixturen aus diesen Dingen gewaschen wurden. Die Liste schien endlos.

Die Natron-Essig-Methode

Dennoch: In meinem Kopf hatte sich ein Bild aufgetan, von einer wunderbaren sauberen, hygienischen und angenehmen Körperpflege insgesamt, ganz ohne Zusatzmittel, nur mit Wasser und sonst nichts. Ich musste nur noch den Weg dahin schaffen. Ich las weiter über verschiedene Methoden, ihre gescheiterten Versuche wie auch über ihre Meister, die angeblich schon Jahre kein Schampoo mehr benutzten und extrem gepflegte Haare im Netz zur Schau stellten. War es ein Gag? Ich hatte noch niemanden persönlich kennen gelernt.

Im Frühjahr 2012 wagte ich den nächsten Versuch und wusch meine Haare nach 17 Tagen mit Natron und anschließender Essigrinse. Das Ergebnis war sehr gut: Die Haare waren sauber, leicht glänzend, ließen sich gut kämmen, die Kopfhaut war rein. Einzig der Essiggeruch gefiel mir gar nicht.

Der zweite Versuch mit No-Poo also war in dem Sinne erfolgreich: Ich benutzte seitdem (Frühjahr 2012) kein Schampoo mehr, auch kein festes Schampoo. Mit der Zeit lagen die Abstände des Waschens im Schnitt bei 11-14 Tagen.

Im Sommer 2015 frisierte mir meine langjährige Friseurin die Haare zu meiner Hochzeit – ohne Waschen und ohne irgendwelche Sprays oder andere Dinge, nur mit Wasser. Sie hatte schon viele Jahre immer ein großes Interesse an meiner Ernährung und bestand darauf, dass meine Haare & Kopfhaut, wie auch Haut insgesamt deshalb so gesund und gut sei. An meiner Haarstruktur hatte sie in den vergangenen Jahren immer erkannt, wie es mir ging. Das war erstaunlich. Niemand der Hochzeitsgäste (außer meinem Mann und meiner besten Freundin) wusste, dass ich keine Schampoos verwendete und es hatte niemand etwas Nachteiliges bemerkt oder gesehen. Im Gegenteil: Oft fanden die Menschen meine Haare besonders schön, weil kräftig, lockig und glänzend. Zu dem Zeitpunkt waren sie mittlerweile schon silbern – und nicht mehr dunkelbraun…

Kämmen – die Lösung für „Water-only“

Im Herbst 2015 las ich über die Wichtigkeit des Kämmens bei dem Verzicht auf Schampoos und andere Waschhilfen.

Mir wurde plötzlich klar, dass das Reinigen generell ein mechanischer Prozess ist und jegliche Seifen, Natron, Rinsen etc. diesen mechanischen Vorgang auf chemischer Ebene unterstützen, im Grunde also das Reinigen mit Waschmitteln generell ein chemisch-physikalischer Vorgang ist. Und dass ich diesen Reinigungsvorgang durch gründliches Kämmen meiner Haare selbst schaffen könnte…

Seit dem wusch ich meine Haare also nur noch mit Wasser und kämmte sie anschließend… suchte im Netz und testete verschiedenste Bürsten meiner Schwestern und Freundinnen. Nichts war dabei. Alles war aus Plastik, was vegan war. Eines Tages kam meine Freundin und schenkte mir einen gebrauchten TangleTeezer, nachdem ich mich Monate schimpfend und klagend gegen ein Plastikgerät in Plastikverpackung ausgesprochen hatte. Ich war erst wütend darüber. Seitdem nutze ich ihn und muss auch an dieser Stelle feststellen, dass ich es nicht schaffe, ganz plastikfrei zu leben. Der TangleTeezer funktioniert für mich.

Nach eineinhalb Jahren Wasser & Kämmen

Im Schnitt wasche ich mir nach ca. 5-7 Wochen die Haare mit sehr warmem Wasser. Anschließend kämme ich sie gründlich mit der Bürste, lockere sie wieder auf und trockne sie im Winter mit Fön, ansonsten an der Luft. Am ersten Tag nach dem Waschen ist die Bürste nach dem Kämmen voll mit weißem Haartalg. Ich reinige die Haarbürste mit Seife und warmem Wasser, mit Hilfe einer alten Zahnbürste. Am zweiten Tag ist kein Talg mehr in der Bürste. Staub/Feinstaub/Dreck etc. bekomme ich durch das Kämmen hervorragend aus den Haaren. In den folgenden Wochen kämme ich mir die Haare täglich zweimal ca. 3-5 min, vor allem auch auf der Kopfhaut, in einzelnen Abschnitten mit dem Tangle Teezer. Danach lockere ich sie wieder mit den Händen oder der Bürste auf, damit sie nicht so schwer am Kopf hängen. Das Nachsprühen mit abgekochtem Wasser macht sie wieder ein wenig lockig.

Die Haare lassen sich insgesamt gut bürsten und sind sehr gepflegt. Meine Friseurin ist begeistert und sagte mir beim letzten Schneiden, sie wünschte, ich würde mal vorbei kommen und ihre Kundinnen nur ein winziges bisschen überzeugen, da diese sich täglich die Haare mit Schampoo waschen und ihrer Meinung nach vollkommen ruinieren. Trotzdem gibt es wie früher auch Tage, an denen ich meine Haare toll finde und andere, an denen sie einfach nicht so wollen.

Eine vegane Sisalbürste hatte ich eine Woche lang getestet. Diese eine schien mir aber eher etwas für feines und glattes, leicht fettendes Haar zu sein. Mein Haar machte nicht mit, sie brachen einzeln ab.

Mein persönliches Ziel

Eine vegane Bürste für lockiges, dickeres, trockenes Haar aus organischen nachhaltigen Materialien zur Haarpflege für „Water-only“ 🙂

Meine Empfehlung

Lass dir Zeit! Wähle vielleicht zunächst einen Übergang von „normalem“ flüssigen Schampoo zu festem, danach einen von fest zur Natron/Essig-Methode oder Roggenmehl-Methode bei dünnem, feinem, fettigem Haar. Versuche die Pausen Woche für Woche zu vergrößern. Wenn die Natron/Essig-Methode erfolgreich ist, wechsel hin zu „water-only“. Immer erst viel und gründlich bürsten, bevor du dich entscheidest die Haare zu waschen.

Bei mir hat es bis zur Water-only-Methode 4-5 Jahre gedauert, sicher geht es auch schneller…. und es gab und gibt immer wieder tolle und weniger tolle Haarphasen.

Olgas Erfahrung

Nach Ellens Beratung besorgte ich mir eine vegane Sisal-Bürste und startete mit skeptischer Ungewissheit ob ich mich in den nächsten Wochen aus dem Haus trauen würde. Noch mehr scheute ich aber die juckende Kopfhaut, die mich bisher noch viel mehr zum waschen bewegte als die fettenden Haare .

Ich startete das Experiment: Waschen nur mit Wasser – dafür alle 2-4 Tage mit heißem Wasser (na klar, heißes Wasser löst doch auch Fett, warum soll das in den Haaren nicht auch funktionieren?)

Tage vergingen – ich bürstete – die 1. Wochen verging – ich bürstete – die 2. Woche verging – ich bürstete – 1 Monat verging – ich bürstete und vergaß allmählich die Tage zu zählen, wie lang es dauern sollte, bis ich es nicht mehr aushielt.

Bis heute ist der Tag nicht gekommen. Statt dessen bin ich immer wieder erstaunt, wie weich, gepflegt und kräftig sich mein feines Haar nun anfühlt und wie frisch gewaschen es nach dem Kämmen aussieht. Natürlich gibt es fettigere Tage – gerade wenn ich die Bürste wieder mal verlegt habe. An solchen Tagen trage ich die Haare geschlossen. Das Jucken hat bereits sehr früh stark nachgelassen und tritt nur noch ab und zu unmittelbar nach dem Bürsten auf. Grundsätzlich hilft für die Übergangszeit das Bürsten aber und auch der Zopf.

Die Sisalbürste die bei Ellens Lockenkopf nicht funktionierte, tut es bei meinem feinen Haar dafür um so besser. Es brauchte ein wenig bis ich verstand, dass man die Haare abschnittsweise kämmen muss und nicht wie mit einer klassischen Bürste einmal von oben drüber. In meiner Bürste sammelt sich vor allem Schmutz, den ich herausgekämmt habe. Zum Reinigen verwende ich einen handelsüblichen Bürstenreiniger.

Bisher bin ich erstaunt wie gut die Methode funktioniert. So weit wie Ellen bin ich aber noch lange nicht, der schnelle Erfolg motiviert mich aber dran zu bleiben. Wir werden sehen wie weit ich komme.

Update

Ich wasche meine Haare mittlerweile wieder mit Haarseife. Über das milde Zwischenergebnis war ich zwar sehr begeistert, ich hatte mir aber schon erwartet, dass es noch besser wird. Als dann die Hochzeit meines Bruder vor der Tür stand, habe ich wieder zur Seife gegriffen.
Bei mir hat es also bisher leider nicht geklappt. Ich glaube aber fest daran, dass ich irgendwann nochmal einen Versuch starten werde.