Nie wieder Haare waschen?

Veröffentlicht am: 18. April 2017 |

Mit dem Umstieg auf Zero Waste ging es mir nicht nur darum, alles herkömmlichen Produkte durch Zero Waste Produkte zu ersetzten. Denn sind wir mal ehrlich, alles was wir verwenden hinterlässt Müll und basiert auf Ressourcen. Deshalb ist das Leitmotiv auch immer die Reduktion. Beim Haarewaschen hieß es schon früh, nicht mehr wie vorher jeden Tag waschen, sondern die Haare sukzessive an längere Waschpausen gewöhnen. Ich merkte schnell wie sich meine Lebensqualität steigerte, weil ich mich nicht jeden Morgen erst duschen musste bevor ich nicht mehr aussah wie eine Fritteuse. 5-7 Tage konnte ich zu spitzen Zeiten gut erreichen und dann begegnete ich Ellen. Die irgendwann beiläufig verlauten ließ, dass sie ihre Haare gar nicht wäscht 😮

Ihr könnt euch vorstellen, dass mich das neugierig machte und ich sie einlud ihre Geschichte zu teilen.

Gastbeitrag von Ellen Spiegel – Wie alles begann…

2008 hatte ich seit langem zum ersten Mal Zeit für mich, begann unter anderem über die üblichen Schampoos nachzudenken und wechselte zunächst auf festes Schampoo, biologisch und vegan. Einige Wochen nach erfolgreichem Wechsel dachte ich noch immer über Haar- und Körperpflege nach. Wie es wohl früher war, in einer natürlichen Umgebung, wie bei Naturvölkern und wie von der Schöpfung gedacht? Im Netz las ich Berichte einzelner Frauen aus der ganzen Welt auf ihrem No-Poo-Weg.

Kein Schampoo? So gar nicht? Ich war fassungslos. Mein damaliger Haarwaschrhythmus war alle 5-7 Tage. Ich begann also munter meine 7 Tage Spanne zu überschreiten. Es wurden 11, ich hielt es nicht mehr aus und wusch meine Haare – diesmal nur mit Wasser.

Das Ergebnis war grauenvoll. Die Haare klebten aneinander als wäre eine Masse ähnlich einem Pritstift oder Kleister in ihnen. Weißlich und fest. Sollte das das Beste sein? Ich zweifelte sehr. Auch nach dem Kämmen wurde es nicht viel besser. Meine Haar sind grundsätzlich eher lockig und dicker in ihrer Stuktur, daher hatte ich nur einen groben Lockenkamm. Nachdem ich mich einen halben Tag gequält hatte, stoppte ich das Experiment.

Das Thema ließ mich aber nicht mehr los. Ich suchte im Netz nach Erklärungen für meine schreckliche Ersterfahrung mit „No-Poo“. Es gab offensichtlich sehr viele Unterschiede: Von „No-Poo“ war die Rede, wenn Haare (statt mit flüssigem Schampoo) mit festem Schampoo, der Natron-Essig-Methode, wie auch Roggen- (oder andere Sorten von) mehl, Heilerde, Alepposeife, mit frischer Zitrone oder Mixturen aus diesen Dingen gewaschen wurden. Die Liste schien endlos.

Die Natron-Essig-Methode

Dennoch: In meinem Kopf hatte sich ein Bild aufgetan, von einer wunderbaren sauberen, hygienischen und angenehmen Körperpflege insgesamt, ganz ohne Zusatzmittel, nur mit Wasser und sonst nichts. Ich musste nur noch den Weg dahin schaffen. Ich las weiter über verschiedene Methoden, ihre gescheiterten Versuche wie auch über ihre Meister, die angeblich schon Jahre kein Schampoo mehr benutzten und extrem gepflegte Haare im Netz zur Schau stellten. War es ein Gag? Ich hatte noch niemanden persönlich kennen gelernt.

Im Frühjahr 2012 wagte ich den nächsten Versuch und wusch meine Haare nach 17 Tagen mit Natron und anschließender Essigrinse. Das Ergebnis war sehr gut: Die Haare waren sauber, leicht glänzend, ließen sich gut kämmen, die Kopfhaut war rein. Einzig der Essiggeruch gefiel mir gar nicht.

Der zweite Versuch mit No-Poo also war in dem Sinne erfolgreich: Ich benutzte seitdem (Frühjahr 2012) kein Schampoo mehr, auch kein festes Schampoo. Mit der Zeit lagen die Abstände des Waschens im Schnitt bei 11-14 Tagen.

Im Sommer 2015 frisierte mir meine langjährige Friseurin die Haare zu meiner Hochzeit – ohne Waschen und ohne irgendwelche Sprays oder andere Dinge, nur mit Wasser. Sie hatte schon viele Jahre immer ein großes Interesse an meiner Ernährung und bestand darauf, dass meine Haare & Kopfhaut, wie auch Haut insgesamt deshalb so gesund und gut sei. An meiner Haarstruktur hatte sie in den vergangenen Jahren immer erkannt, wie es mir ging. Das war erstaunlich. Niemand der Hochzeitsgäste (außer meinem Mann und meiner besten Freundin) wusste, dass ich keine Schampoos verwendete und es hatte niemand etwas Nachteiliges bemerkt oder gesehen. Im Gegenteil: Oft fanden die Menschen meine Haare besonders schön, weil kräftig, lockig und glänzend. Zu dem Zeitpunkt waren sie mittlerweile schon silbern – und nicht mehr dunkelbraun…

Kämmen – die Lösung für „Water-only“

Im Herbst 2015 las ich über die Wichtigkeit des Kämmens bei dem Verzicht auf Schampoos und andere Waschhilfen.

Mir wurde plötzlich klar, dass das Reinigen generell ein mechanischer Prozess ist und jegliche Seifen, Natron, Rinsen etc. diesen mechanischen Vorgang auf chemischer Ebene unterstützen, im Grunde also das Reinigen mit Waschmitteln generell ein chemisch-physikalischer Vorgang ist. Und dass ich diesen Reinigungsvorgang durch gründliches Kämmen meiner Haare selbst schaffen könnte…

Seit dem wusch ich meine Haare also nur noch mit Wasser und kämmte sie anschließend… suchte im Netz und testete verschiedenste Bürsten meiner Schwestern und Freundinnen. Nichts war dabei. Alles war aus Plastik, was vegan war. Eines Tages kam meine Freundin und schenkte mir einen gebrauchten TangleTeezer, nachdem ich mich Monate schimpfend und klagend gegen ein Plastikgerät in Plastikverpackung ausgesprochen hatte. Ich war erst wütend darüber. Seitdem nutze ich ihn und muss auch an dieser Stelle feststellen, dass ich es nicht schaffe, ganz plastikfrei zu leben. Der TangleTeezer funktioniert für mich.

Nach eineinhalb Jahren Wasser & Kämmen

Im Schnitt wasche ich mir nach ca. 5-7 Wochen die Haare mit sehr warmem Wasser. Anschließend kämme ich sie gründlich mit der Bürste, lockere sie wieder auf und trockne sie im Winter mit Fön, ansonsten an der Luft. Am ersten Tag nach dem Waschen ist die Bürste nach dem Kämmen voll mit weißem Haartalg. Ich reinige die Haarbürste mit Seife und warmem Wasser, mit Hilfe einer alten Zahnbürste. Am zweiten Tag ist kein Talg mehr in der Bürste. Staub/Feinstaub/Dreck etc. bekomme ich durch das Kämmen hervorragend aus den Haaren. In den folgenden Wochen kämme ich mir die Haare täglich zweimal ca. 3-5 min, vor allem auch auf der Kopfhaut, in einzelnen Abschnitten mit dem Tangle Teezer. Danach lockere ich sie wieder mit den Händen oder der Bürste auf, damit sie nicht so schwer am Kopf hängen. Das Nachsprühen mit abgekochtem Wasser macht sie wieder ein wenig lockig.

Die Haare lassen sich insgesamt gut bürsten und sind sehr gepflegt. Meine Friseurin ist begeistert und sagte mir beim letzten Schneiden, sie wünschte, ich würde mal vorbei kommen und ihre Kundinnen nur ein winziges bisschen überzeugen, da diese sich täglich die Haare mit Schampoo waschen und ihrer Meinung nach vollkommen ruinieren. Trotzdem gibt es wie früher auch Tage, an denen ich meine Haare toll finde und andere, an denen sie einfach nicht so wollen.

Eine vegane Sisalbürste hatte ich eine Woche lang getestet. Diese eine schien mir aber eher etwas für feines und glattes, leicht fettendes Haar zu sein. Mein Haar machte nicht mit, sie brachen einzeln ab.

Mein persönliches Ziel

Eine vegane Bürste für lockiges, dickeres, trockenes Haar aus organischen nachhaltigen Materialien zur Haarpflege für „Water-only“ 🙂

Meine Empfehlung

Lass dir Zeit! Wähle vielleicht zunächst einen Übergang von „normalem“ flüssigen Schampoo zu festem, danach einen von fest zur Natron/Essig-Methode oder Roggenmehl-Methode bei dünnem, feinem, fettigem Haar. Versuche die Pausen Woche für Woche zu vergrößern. Wenn die Natron/Essig-Methode erfolgreich ist, wechsel hin zu „water-only“. Immer erst viel und gründlich bürsten, bevor du dich entscheidest die Haare zu waschen.

Bei mir hat es bis zur Water-only-Methode 4-5 Jahre gedauert, sicher geht es auch schneller…. und es gab und gibt immer wieder tolle und weniger tolle Haarphasen.

Olgas Erfahrung

Nach Ellens Beratung besorgte ich mir eine vegane Sisal-Bürste und startete mit skeptischer Ungewissheit ob ich mich in den nächsten Wochen aus dem Haus trauen würde. Noch mehr scheute ich aber die juckende Kopfhaut, die mich bisher noch viel mehr zum waschen bewegte als die fettenden Haare .

Ich startete das Experiment: Waschen nur mit Wasser – dafür alle 2-4 Tage mit heißem Wasser (na klar, heißes Wasser löst doch auch Fett, warum soll das in den Haaren nicht auch funktionieren?)

Tage vergingen – ich bürstete – die 1. Wochen verging – ich bürstete – die 2. Woche verging – ich bürstete – 1 Monat verging – ich bürstete und vergaß allmählich die Tage zu zählen, wie lang es dauern sollte, bis ich es nicht mehr aushielt.

Bis heute ist der Tag nicht gekommen. Statt dessen bin ich immer wieder erstaunt, wie weich, gepflegt und kräftig sich mein feines Haar nun anfühlt und wie frisch gewaschen es nach dem Kämmen aussieht. Natürlich gibt es fettigere Tage – gerade wenn ich die Bürste wieder mal verlegt habe. An solchen Tagen trage ich die Haare geschlossen. Das Jucken hat bereits sehr früh stark nachgelassen und tritt nur noch ab und zu unmittelbar nach dem Bürsten auf. Grundsätzlich hilft für die Übergangszeit das Bürsten aber und auch der Zopf.

Die Sisalbürste die bei Ellens Lockenkopf nicht funktionierte, tut es bei meinem feinen Haar dafür um so besser. Es brauchte ein wenig bis ich verstand, dass man die Haare abschnittsweise kämmen muss und nicht wie mit einer klassischen Bürste einmal von oben drüber. In meiner Bürste sammelt sich vor allem Schmutz, den ich herausgekämmt habe. Zum Reinigen verwende ich einen handelsüblichen Bürstenreiniger.

Bisher bin ich erstaunt wie gut die Methode funktioniert. So weit wie Ellen bin ich aber noch lange nicht, der schnelle Erfolg motiviert mich aber dran zu bleiben. Wir werden sehen wie weit ich komme…

13 Comments to Nie wieder Haare waschen?

  1. Alisa schreibt:

    Hey Olga!
    Gut, dass es bei dir und Ellen so gut klappt! Ich bin die No-Poo Methode wohl falsch angegangen… das mit dem „Entzug“ stelle ich mir (eigentlich nur psychisch) schwer vor, vorallem weil ich es schon einmal probiert und versagt habe 😀 gibt es irgendwo im Internet ein gutes Rezept, wie viel Natron und Essig es sein sollen?
    Ich habe schon seit meiner Kindheit richtig schlimme, schuppige Kopfhaut und es wäre wunderbar, das nicht nur mir sondern auch der Umwelt zuliebe zu verbessern… 🙂
    Liebe Grüße aus Australien,
    Alisa

    • Olga schreibt:

      Es spielt keine Rolle wieviel Essig oder Natron – du benutzt soviel du eben brauchst. Ich benutzte jedoch beides gar nicht. Das ist für mich kein No-Poo.
      Als psychisch würde ich den Entzug auch nicht bezeichnen. Haare waschen ist schließlich keine besonders befriedigende Tätigkeit oder so. Die Haare werden einfach schnell fettig, wenn sie häufige Wäschen gewohnt sind.
      Im Moment fahre ich sehr erfolgreich mit Trockenschampoo, also einfach Speisestärke in die Haare rieseln und auskämmen. Dann sehen sie mehrere Tage schön glatt und nicht fettig aus.
      Ich habe jetzt schon mehrfach von Leuten gehört, die echt Schuppenprobleme hatten und nach etwas rumprobieren mit der entsprechenden Methode sie losgeworden sind. Es besteht also noch Hoffnung 😉

    • Caro schreibt:

      Hallo Alisa,
      wie wäre es mit Roggenmehl als Alternative zur Natron-Essig-Methode. Die hat bei mir bei meinem ersten Versuch gar nicht funktioniert und ich hatte damals das Handtuch geworfen. Nach vielen Monaten habe ich mit Roggenmehl als Alternative zum herkömmlichen Shampoo begonnen. Ich will mich an Noo-Poo erst mal herantasten. Das ist 3 Monate her. Ich konnte meinen Waschzyklus inzwischen von täglich auf alle drei Tage verlängern. Wenn ich dann soweit bin, werde ich wirklich Noo-Poo versuchen.
      Ach ja – ich habe auch starke Kopfhautprobleme. Mit Roggenmehl, Kräuterhaarwaschpulver und viel Kämmen ist das sehr viel besser geworden.
      Liebe Grüße
      Caro

  2. Mica schreibt:

    Hallo Olga,
    was für ein toller Gastbeitrag!

    2015 habe ich begonnen mich mit dem Thema zu befassen, als ich anfangen wollte mit Henna zu färben (ich mag einfach mit Mitte 30 noch keine weißen Stränen haben – das mag sich noch ändern, aber noch nicht) was wegen der Silikone im Shampoo nicht klappte. Ich habe auch lange Haare mit starker Naturkrause.

    Inzwischen hat es sich so eingespielt, dass ich mir etwa alle 4-6 Wochen die Haare mit Henna gemischt mit Walnuss-Kräuterfarbe färbe und dazwischen garnicht mehr waschen brauche. Wenn Sie mir vor dem Färben etwas fettig erscheinen, wasche ich sie mit Roggenmehl, was super klappt, aber in den letzten Monaten auch nicht mehr nötig war.

    Ich „wasche“ meine Hasre zwischen dem Färben etwa alle 3-5 Tage (halt wenn die Locken anfangen nicht mehr schön auszusehen) nur mit sehr warmem Wasser unter der Dusche und kämme sie auch dort, zum Teil direkt unter fließendem Wasser (ich weiß, man sagt man soll nicht nass kämmen, aber das hat sich schon seit vielen Jahren bei mir bewährt). Danach streiche ich etwas Öl in die Längen & Spitzen und wickele die Haare in ein glattes Handtuch. Wenn Sie angetrocknet sind, trocke ich sie an der Luft fertig. Nachts flechte ich mir fast immer einen Zopf.

    Insgesamt ist meine Haar-Routine dadurch nicht nur deutlich einfacher und deutlich preiswerter geworden, sondern die Locken halten länger und besser zusammen und fallen entspannter, was zu weniger frissel-Haar und längeren Haaren insgesamt führt. Sie sind viel schöner und gesünder geworden.

    Ich bin manchmal fast wütend, wenn ich daran denke, was man mir früher ernsthaft erzählt (und wahrscheinlich auch selber geglaubt) hat, was ich „gerade bei solchen Haaren“ angeblich alles an Produkten und aufwändiger Routine benötige… was mich das an Geld, Nerven und Lebenszeit gekostet hat. Mit schlechterem Ergebnis und vorprogrammierter Negativspirale.

    Natürlich gibt es Tage, an denen meine Haare auch mal nicht so gut aussehen, aber ehrlich gesagt gab es die vorher auch und es ist immer dem Umstand geschuldet, dass ich eigentlich wieder kämmen müsste, aber noch/gerade keine Lust hatte. 😉 Natürlich kommt vorzugsweise genau an solchen Tagen das Thema Haarewaschen auf und ich halte dann schön meine Klappe weil ich nicht will das mich jemand „begutachtet“ 😉
    Nach dem Kämmen ist dann wieder alles in Ordnung.

    Jetzt muss ich nur mal eine Bürste finden, die ich nicht regelmäßig kleben muss weil der Wasserkontakt ihr zu schaffen macht (meine ist aus Buche und Kautschuk und schon extrem langlebig, selbst im Vergleich zu meinen früheren Plastikmodellen). Und vielleicht vom Henna ganz auf regionaler Färbemittel umsteigen. Das ist allerdings eine echte Herausforderung.

    LG, mach weiter so und bis bald wieder im Laden
    Mica 🙂

  3. Fussel schreibt:

    Ich muss da eher von gegenteiligen Erfahrungen berichten:
    Ich habe lange, inzwischen recht feine und brüchige Haare und verwende seit Jahren eine Wildschweinbürste und komme damit gut klar. Sie belastet die Haare mechanisch bei weitem nicht so wie Bürsten mit Plastik- oder Metallborsten. Solche Bürsten hatte ich früher und habe die Haare damit viel zu sehr strapaziert, das war mit dem Bürstenwechsel vorbei. Die Haarstruktur hat sich seitdem um einiges erholt.

    Ich habe einen „Waschabstand“ von ca. 7 Tagen. Ich verwende ein Bio-Shampoo, das ich mir im Unverpacktladen immer wieder auffülle und ich verwende pro Wäsche sehr wenig, um die Haare nicht zu sehr zu entfetten. In die Längen gebe ich ein paar Tropfen Brokkolisamenöl (4 Tropfen, höchstens 5)

    Jetzt kommt das große Aber: wenn ich wie empfohlen noch stärker und mehr bürste, wird zwar das Fett besser in die Längen verteilt, aber meine Kopfhaut produziert auf einmal viel mehr Fett! Die Haare werden deutlich schneller fettig und kleben dann regelrecht. Ich mache häufig einen Zopf, die Längen der Haare sind aber nicht das Problem, sondern der kopfnahe Teil. Der klebt und juckt dann wie Hölle und weiteres Bürsten entfernt das Fett nicht und verstärkt nur das Jucken.
    Haarstruktur ist auch viel Familienerbe. Wenn ich mir meine Vorfahren/Vorfahrinnen angucke, sehe ich da mitnichten Frauen mit dicken langen Zöpfen, sondern welche, die schon Mitte 20 grau sind und wo der Zopf Kleinfingerstärke erreicht, sobald sie etwas älter sind und die Männer sind beizeiten kahl…
    Man sollte also auch die Effekte der Bürstenmethode nicht überbewerten. Klar, die Leute, die täglich waschen und föhnen schaden mit Sicherheit ihrem Haar, aber wenn man das nicht tut, heißt das nicht unbedingt, dass man davon bessere Haare bekommt.

    • Olga schreibt:

      Jeder hat andere Haare, dass ist klar und jeder muss für sich herausfinden was gut funktioniert. Auch Ellen und ich kommen schon nicht mit der gleichen Bürste klar.
      Eines sagte mir Ellen aber auch: Wenn ich die Haare immer wieder (wenn auch selten) waschen würde, gerade mit einem starken Fettlöser wie Shampoo, dann würde sich die Kopfhaut einfach nicht umgewöhnen. Mann müsse einmal durch die Phase des fettigen und vielleicht auch Juckens durch, bevor es funktioniert.
      Ich wasche selbst immer noch relativ häufig, dafür aber nur mit Wasser. Nach dem bürsten juckt es auch erst stärker, das geht aber schnell vorbei.

  4. frohzuseinbedarfeswenig schreibt:

    Hallo Olga und sonst everybody wer hier liest,
    ich find’s spannend, auf was Ihr alles so kommt! Und immer wieder auf Dinge, die ich seit Jahren kenne und praktiziere, die aber sowas von Nicht-Mainstream waren, dass ich sie lieber nur still und heimlich für mich praktizierte. Denn wenn Du laut gesagt hast, dass Du seit drei Wochen keine Haare gewaschen hast, wurde massivst an Deiner Hygiene und Zivilisationstauglichkeit gezweifelt.
    Dabei sind drei Wochen noch gar keine Zeit! Meine Großmutter (*1887) hat vielleicht zwei bis drei mal pro Jahr, sprich vor großen Festen, die Haare gewaschen – und sie war eine Schönheit erster Güte! Abends nahm sie das Haarnetz ab, löste ihren Haarknoten und ließ wunderbare lange glänzende Locken fallen. Langsam und hingebungsvoll bürstete sie mit einer Wildschweinborsten-Bürste ihre Pracht, flocht zur Nacht einen lockeren Zopf daraus, und am Morgen nach kurzem Kämmen verschwand alles wieder im schützenden Geflecht unterm hauchdünnen Netzchen. Meine Mutter – nächste Generation also (*1919) – erbte dieselbe Veranlagung zu lockigem, kräftigen Haar. Auch sie sperrte all die Schönheit in einen Dutt. Ihre Haare kamen höchstens alle 6 Wochen mit Wasser in Berührung, und erlebten ansonsten einfach die vielgepriesenen „Hundert Bürstenstriche jeden Tag“, was die Haare einfach phantastisch aussehen ließ, so sie denn mal Blicken ausgesetzt wurden. Meine Generation (*Fünfzigerjahre) war dann um Welten aufgeklärter und weniger zeigescheu, klar! Und wir lebten im Wirtschaftswunder! …leider auch in zunehmender Verschwendung. Da wurde mächtig auf die Tube gedrückt. Viel hilft viel – war allgemeiner Glaube – Schampoo und all das Zeug, das die Müllberge zwar wachsen lässt, und unser Aussehen wenig überzeugend aufmöbelt.
    Ich bin schon vor gefühlten zwanzig Jahren wieder zu Großmutters Borstenbürste zurückgekehrt, ich wusste ja von meinem weiblichen Stammbaum her, dass es funktioniert, und komme damit super klar. Inzwischen gehe ich einmal die Woche eh Schwimmen und tauche dabei richtig bei jedem Zug ein, also sind die Haare eh schon nass. Mit super wenig Alepposeife nach dem Schwimmen einmal kurz Durchgewaschen, Viertelstunde die Haare ins Frottiertuch, und dann ein paar wenige Tröpfchen Klettenwurzelöl ins feuchte Haar massiert, kämmen– fertig. Ab etwa dem dritten Tag, sobald die Talgproduktion wieder zugange ist, bürste ich wieder. Die Haare sind gesund, geschmeidig, glänzend und die Locken fallen wie sie sollen. Allerdings: ein wenig Zeit jeden Tag braucht es schon! Als unsre Kinder klein waren, hab ich diese Zeit oft nicht aufgebracht… (egal! …sie benützen heute mehr Haarbürste als Schampoo! Smile.)

    Weitere nützliche Links zu den „Hundert Bürstenstrichen“:
    https://www.youtube.com/watch?v=tEDQFu_R38Q (sieht nach Werbung aus, enthält aber richtig gute Sach-info)
    https://www.youtube.com/watch?v=RqQ24F3ZWJo (gute Demo, aber ein wenig zu rasantes Bürsten)
    https://www.youtube.com/watch?v=zl6KSZ2G9BA (bei sehr langem Haar und bei sehr dünnem Haar)

    Wildschweinborsten sind meines Erachtens auch ethisch voll okay. Kein Steinzeitmensch hätte gezögert, von diesem natürlichen Abfallprodukt sich etwas zu Nutze zu machen.

    LG

    • Olga schreibt:

      Ich persönlich bevorzuge auch Tierprodukte vor Kunststoffprodukten. Verstehen kann ich die vollkommene Abneigung aber schon, da man heute leider bei gar nichts mehr blind davon ausgehen kann, dass es ethisch korrekt bei uns ankommt.
      Ellen sagte mir übrigens auch, dass es für die Gewöhnung der Haare kontraproduktiv sei, wenn man sie -auch wenn es nur selten ist- mit entfettenden Produkten wie Shampoo aber eben auch Haarseife waschen würde.
      Hast du schon probiert ob es ganz ohne Olivenölseife geht?

      • frohzuseinbedarfeswenig schreibt:

        Hi Olga,
        ja, ich habe gelegentlich schon 5 bis 7 Wochen gar nicht gewaschen und ausschließlich gebürstet. Das ist ab ca. der 3. Woche ideal, denn bis dahin ist die kopfhauteigene Talgproduktion und -Verteilung durch die Bürste optimal eingespielt. Die Haare waren dann weitere 3 Wochen wunderschön. Aber wenn man dann nicht ganz konsequent am Bürsten dranbleibt – eine Frage des täglichen Zeitmanagements – dann werden die Haare eben doch klebrig, die Kopfhaut juckend und ich rieche dann nicht mehr so wirklich kuscheleinladend. Auch Schwimmen und Sport machen die Haare naja… Also habe ich in der Regel dann doch die Haare gewaschen mit Haarseife. Meist 2-3 Tage vor sozialen Anlässen, wo ich mit frischem lockerem Haar dastehen wollte.
        Erhellend finde ich Deine Unterscheidung zwischen mechanischer und chemischer Reinigung. Die Bürste zu verwenden ist wirklich eine Entscheidung für die mechanische Reinigung, und der wird heutzutage irrtümlicherweise einfach nicht mehr viel zugetraut. Siehe Zähneputzen. 95% des Erfolgs von Zähneputzen ist die mechanische Reinigung durch die Zahnbürste – ganz ohne wasfüreinZahnputzmittelauchimmer. Rein überhaupt die Zahnbürste zu verwenden ist schon zu 95% die Zähne geputzt. Und so ist es bei den Haaren auch.
        Wenn man so richtig auf Haarbürste umgestellt ist, lässt ja die Fettproduktion der Talgdrüsen nach. Das führt dazu, dass wenn man dann von Zeit zu Zeit dennoch mit Haarseife wäscht, dass dann einige Tage nach dem Waschen die Haare ziemlich trocken und „fliegend“ sind, schwer zu bändigen, solange bist wieder die Talgproduktion der Kopfhaut aufgeholt hat. Aber für diese Tage sind Haaröle in vorsichtiger Dosierung recht nützlich.
        In Japan verwendeten die Frauen früher Holzkämme, die einmal im Monat mit einem Haaröl eingerieben wurden, zur mechanischen täglichen Reinigung. Es gibt dazu ein entzückendes Youtube-video von einer jungen Japanerin, die Zero-waste-lifestyle praktiziert, indem sie an traditionelle Praktiken der Vorfahren anknüpft, die ja bereits langlebig und nachhaltig gewirtschaftet haben – wie überall die Menschen früher auf der Welt. Siehe hier:
        https://www.youtube.com/watch?v=Y7DXeQyk394
        Auch die japanische Faltkunst mit Tüchern, aus denen Taschen geknotet werden usw. gefallen mir bei der jungen Japanerin, echte multi-purpos-Teile, inspirierend für alle die ein minimalistisches praktisches Leben und Unterwegssein suchen.
        https://www.youtube.com/watch?v=dEvy4xrJoOE
        LG

        • Olga schreibt:

          Vielen Dank für deine lange Nachricht und dass du auch mir nochmal bewusst machst, dass der größte Teil der Reinigung in der Tat mechanisch sein kann, egal worum es geht. Das gleiche gilt nämlich auch für Bakterien und Keime. Die werden nicht nur durch Desinfektionsmittel entfernt, sondern ebenfalls durch viel Wasser davon gespült und so verdünnt, dass sie uns meist nichts mehr angaben können.

  5. Ottmar Lattorf schreibt:

    Hallo Olga!

    Ich bin seit einiger Zeit in Deinem Info-Verteiler und habe auch langes feines Haar. Und muss sagen, euer Haar Artikel ist cool! Das mit dem nicht – Waschen der Haare ist echt mal ein guter Tipp! Ich experimentiere auch schon seit Jahren mit dem nicht – Waschen der Haare und es gibt sehr viele Faktoren, die für schönes langes Haar Vorraussetzung sind. Waschen war für mich eher ein notwendiges Übel und spielt meiner Erfahrung nach immer eher eine negative Rolle beim späteren Aussehen der Haare. Der gute Sitz kam dann immer erst mit dem ersten „Dreck“ im Haar! Wie so oft, so auch hier: je simpler die Methode, desto besser die Ergebnisse! Mich haben auch immer schon die schönen Haare vieler Rainbow – Geschwister auf den wochenlangen und Schampoo losen Rainbos-Camps gewundert. Leider muss man sagen, wir haben uns so was von einseifen lassen….!

    Notiert und grüßt
    von der Baumschutzfront
    Ottmar Lattorf

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