Nach unserer ersten „Flüchtlingskrise“ in Europa im 21. Jahrhundert steht die zweite schon in den Startlöchern. Der mehr oder weniger mutige Vorstoß von unserem derzeitigen Innenminister Seehofer, eine feste und vergleichsweise hohe Quote an Bootsflüchtlingen aufzunehmen, wird selbst aus den eigenen Reihen scharf kritisiert. Es setzte falsche Anreize, Menschen könnten davon Wind bekommen und vermehrt versuchen über das Mittelmeer nach Europa zu kommen.

Selbst, wenn das so wäre? Kein Mensch auf dieser Erde verlässt freiwillig seine Heimat, um auf einem wackeligen Boot mit eingeschränkten Überlebenschancen auf einen anderen Kontinent zu kommen, wenn er oder sie es nicht wirklich nötig hat. Wir reden hier nicht von Menschen, die mal etwas Abwechslung in ihren Lebenslauf bringen wollen. Wir reden hier von Vertriebenen, Verlorenen, Gefolterten, Hungernden, Unter Todesangst leidenden, Verfolgten Menschen ohne Perspektive, denen eine ungewisse Zukunft auf dem Mittelmeer mehr Hoffnung gibt, als das Verbleiben in ihrer Heimat. DAS MACHT NIEMAND AUS SPASS.

Wieso dürfen sich Parteien „christlich“ nennen, die nicht bereit sind jeden einzelnen Menschen in Not aufzunehmen? Kein Christ, kein wirklicher Christ würde auch nur einem einzigen Menschen einen sicheren Hafen verweigern. Das schließt das christliche Selbstverständnis aus!

Aber was hat das Ganze mit Zero Waste zu tun?

Deutlich mehr als wir denken. Denn wir sind in hohem Maße für diese Flüchtlingsströme verantwortlich. Wir mit unserem Konsum, unserer verschwenderischen Lebensweise, unserem Einfluss auf den Klimawandel und unserer direkten und indirekten Kriegsbeteiligung – um nur 3 Punkte zu nennen.

1.

Unser Wohlstand und unser Wachstum basieren schon lange auf Ausbeutung anderer Menschen, Länder, Tiere und Ökosysteme. Nur dadurch, können wir es uns leisten, so viel zu konsumieren und unsere Lebensmittel so günstig einzukaufen. Wir akzeptieren Arbeitsbedingungen (z.B. in der Bekleidungsindustrie und in der Rohstoffgewinnung, die gesundheitsschädlich und nicht auskömmlich sind). Und nein, diese Menschen können nicht froh sein, dass sie überhaupt einen Job haben. Das sind keine Jobs, das ist moderne Sklaverei. Sie sind abhängig und mittellos und können froh sein, wenn ihr Kinder nicht auch arbeiten müssen. Wenn sie solche Menschen auf die Suche nach einem besseren Leben machen, wer kann es ihnen verübeln?

2.

Unser Rohstoffhunger zieht Kreise. Denn auf einem runden Planeten sind sie begrenzt und äußerst wertvoll. Bereits heute werden Kriege um Rohstoffe, allen voran Erdöl, geführt. Kriegszustände führen immer zu riesigen Flüchtlingsbewegungen. Werden unsere Ressourcen zunehmend knapp, so ist zu erwarten, dass auch unsere „Verteidigungs- und Stellvertreterkriege“ weiter zunehmen.

3.

Unsere großen (zu beheizenden) Wohnungen, unsere Glasfassaden unsere Flugreisen, unsere Autos und Geländewagen und unser grenzenloser Konsum, unsere Verpackungen unsere Einwegprodukte und unsere Landwirtschaft basieren zu hohem Maße auf fossilen Rohstoffen. Ihre Verbrennung befeuert den Klimawandel. Zunehmende Naturkatastrophen, steigender Meeresspiegel mit Überschwemmungen und Dürre und Desertifikation sind indirekte Folgen, die unfassbar viele Menschen heimatlos machen. Schätzungen zu Folge können durch diese und andere Ursachen aus den bisherigen 20 Mio. Flüchtlingen in den nächsten 30 Jahren locker 200 Mio. werden.

Im Umkehrschluss

Ist also unser Konsum und unsere großspurige nicht nachhaltige Lebensweise Ursache der meisten Flüchtlinge auf diesem Planeten. Das mindeste, was wir in dieser Situation tun können ist, sie nach christlicher Denkweise in Nächstenliebe aufzunehmen, ihnen Schutz zu gewähren und Verständnis für ihre Traumata aufzubringen. Und zwar nicht auf Zeit, sondern dauerhaft und integriert. Bis wir verstanden haben was Nachhaltigkeit und Weltfrieden wirklich meint.

Und was wir auch noch tun können, was jeder einzelne von uns tun kann, für sich zu Hause, ist so wenig am Konsum, Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch teilzuhaben wie nur irgend möglich.
Quasi ein Leben zu leben nach den Prinzipien von Zero Waste: Reduce – Reuse – Recycle

Der positive Nebeneffekt: Kein Konsum dieser Welt macht uns Menschen so glücklich und zufrieden, wie das Geben von Nächstenliebe, Hilfeleistungen oder sogar das Retten von Menschenleben, zum Beispiel aus Seenot. Durch die Aufnahme all der verlorenen Seelen, könnten wir uns tatsächlich tiefes Glück bescheren.