Von Eingemachtem

Vier Jahre sind nun rum und ich lebe immer noch Zero Waste. Die häufig gestellte Frage, ob ich denn jemals gezweifelt hätte, konnte ich bisher immer verneinen. Gezweifelt habe ich nicht, aber ich habe mich sehr verändert und tue es noch.

Ich fing sehr motiviert an, mein Leben umzustellen und war sehr experimentierfreudig. In der Anfangsphase besorgte ich mir schnell irgendwelche neuen Gadgets, die irgendwo noch ein weiteres Fitzelchen Müll einsparen könnten. Ich wurde sehr extrem bis hin zu Gewissensbissen, wenn ich es mal nicht schaffte, die Serviette rechtzeitig abzubestellen. Es wurde zum Lebensinhalt, die Hinterlassenschaften so weit wie möglich zu reduzieren – immer Voraugen die Einmachgläser mit Müll, die meine Vorbilder so plakativ in die Kameras hielten. Ich wollte auch so ein Einmachglas haben!

Mittlerweile finde ich das Einmachglas albern. Zu behaupten, dass das der einzige Müll sei, ist schlichtweg Quatsch. Wenn mal ein Socken kaputt geht, oder ein Autoreifen gewechselt wird, kommt er schließlich auch nicht in das Einmachglas. Dafür ist das Glas aber ein schönes Ansichtsobjekt, um zu zeigen, dass wir sehr wohl eine Wahl haben, wie viel Müll wir produzieren.

Unnötige Servietten stören mich auch heute noch, ich kann es aber um Welten besser verkraften. Ich konzentriere mich weniger auf die einzelne Tackerklammer, als viel mehr auf das große Ganze. Im Flugzeug zu sitzen und wegen einer Papierserviette ein schlechtes Gewissen zu haben, macht wenig Sinn. Auch hier würde ich versuchen, die Serviette einzusparen, denn auch hier ist sie einfach unnötig. Aber wenn ich jetzt ein schlechtes Gewissen bekomme, dann wegen des Flugzeugs und nicht mehr wegen der Serviette. Denn worum geht es eigentlich? Es geht nicht um stolze Einmachgläser, es geht um unsere Ressourcen und darum wo wir sie unnötig verschwenden.

 

20  / 80  – Regel

In Raphael Fellmers Buch „Glücklich ohne Geld“ begegnete mir der Satz: Mit 20% Energie, kannst du 80% Erfolg haben. Die Erfahrung habe ich auch beim Müll einsparen gemacht. Der Blick auf die großen Vorreitern mit ihren Mini-Müllmengen, wirken auf ihre Mitmenschen bisweilen eher abschreckend. Dagegen finde ich die Vorstellung geradezu motivierend, dass man mit 20% Eniergieaufwand, so viel erreichen kann. Wer seinen Müll reduzieren möchte, muss also keine Angst davor haben, auf sein Liebstes verzichten zu müssen. Das Anfangen ist entscheidend. Wer mit den einfachsten Sachen anfängt, erzielt schnell Erfolgserlebnisse. Die Motivation, weiter zu machen, kommt dabei von ganz alleine. So wichtig die Vorbilder für eine Entwicklung auch sind, es geht nicht darum, dass einige Wenige ihre 99% weniger Müll erreichen. Wichtiger ist es, dass viele sich auf den Weg machen die 80% zu erreichen. Wer dort angelangt ist, kann seine Energie getrost anderweitig einsetzten. Denn Müll einsparen ist ein sehr wichtiges Thema, aber je länger ich mich damit beschäftige, desto mehr lerne ich, wie viele andere Themen es gibt, die ebenso wichtig für eine gerechte Welt ohne Verschwendung und im Einklang mit der Natur sind. Ich bin zwar schon jenseits der 80 und strebe auch immer noch stete Verbesserung an, ich werde mir aber kein Bein mehr dafür ausreißen, dafür habe ich zu wenige davon.

Gregors Kinder (12,12 und 16 Jahre), die immerhin 50 % ihrer Zeit bei uns wohnen, haben einen nicht unerheblichen Anteil an diesem Erkenntnisgewinn. Mit ihnen haben wir auf einen Schlag gleich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, wenn es darum geht andere Menschen von einer Idee zu überzeugen. Wir haben ihnen eine neue Welt vor die Nase gesetzt und gesagt: Das ist jetzt so! Aber so was machen Kinder nicht mit, genauso wenig wie Erwachsene. Man muss sie abholen, man muss sie mit ins Boot holen, man muss sie motivieren, freiwillig mit zu machen. Denn zwingen kann man sie doch nicht. Und vor allem muss man behutsam vorgehen und Gewöhnung ermöglichen – bei allen anderen genauso wie bei sich selbst.

Die 20 – 80 Regel ist das motivierenste was mir seit dem begegnet ist.