Nicht gerade selten bekomme ich hier und auch in meinen Workshops und Vortragen das Feedback: Vielen Dank für die Tipps, aber ich wohne auf dem Land, da gibt es keine Unverpackt Läden.
Tatsächlich hat einfach nicht jeder die Möglichkeit im Unverpackt Laden oder gar im Bioladen einkaufen zu gehen. Trotzdem soll das kein Grund oder Vorwand sein, um den Müll nicht zu reduzieren. Von all den Möglichkeiten, die es gibt Müll einzusparen, wirst du niemals alle in dein Leben integrieren können. Konzentriere dich also nicht auf das was du nicht machen kannst, sondern fokussiere das was du machen kannst und fange damit an!

Bei Zero Waste geht es nicht um Perfektion, jeder einzelne Schritt ist wertvoll.

Inspiriert von euch allen widme ich diesen Artikel den Möglichkeiten der Müllvermeidung für Landeier.

Was kann jeder machen

Unabhängig vom Ort gibt es genügend Möglichkeiten um Müll einzusparen. Hier nur einige Anregungen:

1. Den Lebensstil reduzieren nach dem Motto Reduce, Reuse, Recycle, Refuse, Rethink, Relax.

2. Eine Bio-Gemüsekiste bestellen oder einer Solidarischen Landwirtschaft beitreten. Wer keine hat, kann selber eine gründen. Das sollte auf dem Land ebenfalls einfacher sein, weil ein notwendiges Feld vielleicht eher zu finden ist.

3. Frisch Kochen und wenig Fertigprodukte, verarbeitete Lebensmittel, Snacks und Süßigkeiten konsumieren.

4. Regional und saisonal essen.

5. Hülsenfrüchte und Co nicht aus der Dose essen, sondern getrocknet einkaufen und über Nacht einweichen lassen.

6. Da Atommüll der schlimmste Müll von allem ist, ist der beste und einfachste Schritt seinen Stromanbieter zu wechseln, wenn du nicht bei Greenpeace Energie, Naturstrom oder Schönau bist. Solltest du dich für Greenpeace Energie entscheiden, bekommst du für unseren Unverpackt Laden in Köln (und in Zukunft auch bei allen anderen Unverpackt-Läden, die mitmachen) einen 30 Euro Einkaufsgutschein als Willkommensgeschenk.

7. Einwegprodukte wie Taschentücher, Tampons, Klopapier und Küchenrolle, durch Mehrwegprodukte ersetzten.

8. Nicht beim Lieferservice bestellen und kein Take Away mitnehmen, außer in die Mitgebrachte Dose.

9. Reinigungsmittel selbst herstellen.

Das Ländliche Potential

1. Einen Unverpackt Laden gibt es vielleicht nicht, dafür vielleicht noch Bauern, wo man Lebensmittel direkt bekommt, wie Milch, Eier, Käse, Honig, Fleisch.

2. Der große Vorteil des Landlebens ist wahrscheinlich das größere Platzangebot, welches viel Potential bietet und häufig auch einen Garten beinhaltet. Dort kann man Gemüse, Obst, Kräuter und Tee einfach selber anbauen. Vielleicht gibt es sogar Nachbargärten, die Obstbäume haben, aber es selbst nicht schaffen zu ernten. Hier kann die Ernte leicht verdoppelt werden und die Nachbarn freuen sich, dass das Obst nicht verkommt.

3. Man kann selbst kompostieren. Viele Städter beschweren sich darüber, dass sie keine Biotonne haben und ihren wertvollen Kompost in de Restmülltonne werfen müssen.

4. Auch das Sammeln von Wildkräutern, Pilzen oder Beeren ist auf dem Land häufig leichter und kann den Speiseplan bereichern. Gerade die Wildkräuter sind meistgesünder als das Grünzeug was im Supermarktregal liegt. In der Stadt weiß ich nie wo ich sammeln soll. Selbst wenn man was finden scheint immer eine vielbefahrene Straße oder Hundekot in der Nähe. Da fehlt mir aber leider die Erfahrung.

5. Liegen Felder um den Wohnort herum ist auch das abgrasen von Stoppelfeldern lukrativ. Leider bleibt ein großer Anteil an Gemüse auf dem Feld, weil es nicht in die Norm passt. Vor allem bei Kartoffeln lohnt sich das nach ernten. Aber Achtung. Erlaubt ist das nicht. Wem das zu aufregend ist, der kann den Bauern auch einfach fragen, viele haben nichts dagegen.

6. Auch unser Unverpackt Laden Tante Olga ist aus einer Einkaufsgemeinschaft entstanden. Wir kauften Lebensmittel in 25 Kg Säcken und verteilten sie unter Bekannten. Das dürfe auf dem Land ebenfalls leichter sein, weil man seine Nachbarn oft besser kennt und meist mehr Platz hat um die Lebensmittel zu lagern, als in den kleinen Mietswohnungen der Stadt.

7. Wer in einem eigenen Haus wohnt kann auch vollkommen andere Wege gehen und zum Beispiel das Regenwasser für die Toilettenspülung sammeln oder eine Trockentrenntoiletten einbauen und anstatt Abfall hochwertigen Dünger produzieren.

8. Man kennt sich oft besser in kleinen Gemeinden und leiht und teilt so vielleicht eher.

Aktiv werden

Gerade auf dem Land kann es ja abends richtig langweilig werden. Anstatt Fernseh zu gucken bietet diese Ruhe großes Potential etwas auf die Beine zu stellen. Vielleicht gibt es Gemeindehäuser oder ähnliches, die ihre Räumlichkeiten gerne zur Verfügung stellen.

Gemeinsame Müllsammelaktionen

Kleidertauschpartys

Spielzeugtauschen

Marmelade tauschen

Saatgut tauschen

Repair Café

Öffentlicher Bücherschrank

Zero Waste Picknicks

etc.

Das waren nur einige Ideen von mir. Da ich selbst nicht mehr auf dem Land wohne, habe ich sicher einige Hürden und einige Möglichkeiten übersehen. Also schreibt mir fleißig, damit ich ergänzen kann.