Zero Waste auf dem Land möglich?

Veröffentlicht am: 9. April 2018 |

Nicht gerade selten bekomme ich hier und auch in meinen Workshops und Vortragen das Feedback: Vielen Dank für die Tipps, aber ich wohne auf dem Land, da gibt es keine Unverpackt Läden.
Tatsächlich hat einfach nicht jeder die Möglichkeit im Unverpackt Laden oder gar im Bioladen einkaufen zu gehen. Trotzdem soll das kein Grund oder Vorwand sein, um den Müll nicht zu reduzieren. Von all den Möglichkeiten, die es gibt Müll einzusparen, wirst du niemals alle in dein Leben integrieren können. Konzentriere dich also nicht auf das was du nicht machen kannst, sondern fokussiere das was du machen kannst und fange damit an!

Bei Zero Waste geht es nicht um Perfektion, jeder einzelne Schritt ist wertvoll.

Inspiriert von euch allen widme ich diesen Artikel den Möglichkeiten der Müllvermeidung für Landeier.

Was kann jeder machen

Unabhängig vom Ort gibt es genügend Möglichkeiten um Müll einzusparen. Hier nur einige Anregungen:

1. Den Lebensstil reduzieren nach dem Motto Reduce, Reuse, Recycle, Refuse, Rethink, Relax.

2. Eine Bio-Gemüsekiste bestellen oder einer Solidarischen Landwirtschaft beitreten. Wer keine hat, kann selber eine gründen. Das sollte auf dem Land ebenfalls einfacher sein, weil ein notwendiges Feld vielleicht eher zu finden ist.

3. Frisch Kochen und wenig Fertigprodukte, verarbeitete Lebensmittel, Snacks und Süßigkeiten konsumieren.

4. Regional und saisonal essen.

5. Hülsenfrüchte und Co nicht aus der Dose essen, sondern getrocknet einkaufen und über Nacht einweichen lassen.

6. Da Atommüll der schlimmste Müll von allem ist, ist der beste und einfachste Schritt seinen Stromanbieter zu wechseln, wenn du nicht bei Greenpeace Energie, Naturstrom oder Schönau bist. Solltest du dich für Greenpeace Energie entscheiden, bekommst du für unseren Unverpackt Laden in Köln (und in Zukunft auch bei allen anderen Unverpackt-Läden, die mitmachen) einen 30 Euro Einkaufsgutschein als Willkommensgeschenk.

7. Einwegprodukte wie Taschentücher, Tampons, Klopapier und Küchenrolle, durch Mehrwegprodukte ersetzten.

8. Nicht beim Lieferservice bestellen und kein Take Away mitnehmen, außer in die Mitgebrachte Dose.

9. Reinigungsmittel selbst herstellen.

Das Ländliche Potential

1. Einen Unverpackt Laden gibt es vielleicht nicht, dafür vielleicht noch Bauern, wo man Lebensmittel direkt bekommt, wie Milch, Eier, Käse, Honig, Fleisch.

2. Der große Vorteil des Landlebens ist wahrscheinlich das größere Platzangebot, welches viel Potential bietet und häufig auch einen Garten beinhaltet. Dort kann man Gemüse, Obst, Kräuter und Tee einfach selber anbauen. Vielleicht gibt es sogar Nachbargärten, die Obstbäume haben, aber es selbst nicht schaffen zu ernten. Hier kann die Ernte leicht verdoppelt werden und die Nachbarn freuen sich, dass das Obst nicht verkommt.

3. Man kann selbst kompostieren. Viele Städter beschweren sich darüber, dass sie keine Biotonne haben und ihren wertvollen Kompost in de Restmülltonne werfen müssen.

4. Auch das Sammeln von Wildkräutern, Pilzen oder Beeren ist auf dem Land häufig leichter und kann den Speiseplan bereichern. Gerade die Wildkräuter sind meistgesünder als das Grünzeug was im Supermarktregal liegt. In der Stadt weiß ich nie wo ich sammeln soll. Selbst wenn man was finden scheint immer eine vielbefahrene Straße oder Hundekot in der Nähe. Da fehlt mir aber leider die Erfahrung.

5. Liegen Felder um den Wohnort herum ist auch das abgrasen von Stoppelfeldern lukrativ. Leider bleibt ein großer Anteil an Gemüse auf dem Feld, weil es nicht in die Norm passt. Vor allem bei Kartoffeln lohnt sich das nach ernten. Aber Achtung. Erlaubt ist das nicht. Wem das zu aufregend ist, der kann den Bauern auch einfach fragen, viele haben nichts dagegen.

6. Auch unser Unverpackt Laden Tante Olga ist aus einer Einkaufsgemeinschaft entstanden. Wir kauften Lebensmittel in 25 Kg Säcken und verteilten sie unter Bekannten. Das dürfe auf dem Land ebenfalls leichter sein, weil man seine Nachbarn oft besser kennt und meist mehr Platz hat um die Lebensmittel zu lagern, als in den kleinen Mietswohnungen der Stadt.

7. Wer in einem eigenen Haus wohnt kann auch vollkommen andere Wege gehen und zum Beispiel das Regenwasser für die Toilettenspülung sammeln oder eine Trockentrenntoiletten einbauen und anstatt Abfall hochwertigen Dünger produzieren.

8. Man kennt sich oft besser in kleinen Gemeinden und leiht und teilt so vielleicht eher.

Aktiv werden

Gerade auf dem Land kann es ja abends richtig langweilig werden. Anstatt Fernseh zu gucken bietet diese Ruhe großes Potential etwas auf die Beine zu stellen. Vielleicht gibt es Gemeindehäuser oder ähnliches, die ihre Räumlichkeiten gerne zur Verfügung stellen.

Gemeinsame Müllsammelaktionen

Kleidertauschpartys

Spielzeugtauschen

Marmelade tauschen

Saatgut tauschen

Repair Café

Öffentlicher Bücherschrank

Zero Waste Picknicks

etc.

Das waren nur einige Ideen von mir. Da ich selbst nicht mehr auf dem Land wohne, habe ich sicher einige Hürden und einige Möglichkeiten übersehen. Also schreibt mir fleißig, damit ich ergänzen kann.

10 Comments to Zero Waste auf dem Land möglich?

  1. Regina schreibt:

    Ich scheitere auch immer wieder. Der nächste Unverpacktladen ist über 60 km entfernt, der nächste Biosupermarkt ca. 30 km in 12 km entfernung gibt es einen Bioladen. Da komm ich aber auch nur selten hin weil ich nicht extra fahren möchte. Da kauf ich also nur wenn ich zum Schuster muss. Hofläden gibt es 2 da bekomm ich Eier, Fleisch, Kartoffeln, Zwiebeln und je nach Sasion noch Kürbis, Äpfel, Bohnen und Erdbeeren. Allerdings alles nicht Bio. Solawi gibt es in 50 km entfernung und eine Marktschwärmerei soll demnächst in etwa 25 km entfernung aufmachen. Aber zumindest gibt es eine Bücherei, regelmässig Flohmärkte und man kennt ja wirklich viele Leute so das man immer Hilfe findet wenn was kaputt ist. Oder jemand bei dem man was ausleihen kann oder von dem man was gebraucht übernehmen kann. Genauso kann man sich immer mal was mitbringen lassen wenn jemand eh irgendwo hin muss. Und wir haben sogar 3 Gärten und 2 Streuobstwiesen im Familienbesitz so das wir anbauen können. Ernte und Jungpflanzen werden oft mit anderen Leuten aus dem Ort getauscht. So kommt man z.b. auch an Gurken wenn die im eigenen Garten nichts geworden sind.
    Trotz der Grenzen durch die entfernungen und obwohl ich immer wieder doch Online kaufen muss obwohl ich davon gar nichts halte möchte ich nicht in der Stadt leben. Die ganzen Vorteile hier überwiegen für mich eindeutig.

    • Olga schreibt:

      Liebe Regina,
      sag doch bitte nicht du scheiterst. Du machst der viel, das ist doch kein Scheitern. Keiner kann alles machen, aber jeder kann das machen was er kann. Das ist toll und kein Scheitern. Und soweit zum Unverpackt Laden zu fahren, ist wirklich quatsch. Vielleicht macht ja bald mal einer in der Nähe auf. Bis dahin bleiben noch die vielen anderen Dinge, die du tun kannst und schon tust.

  2. Corinna schreibt:

    Hallo Olga,
    wir (Ich, mein Mann und unsere zwei kinder) stehen noch ganz am Anfang unseres zero-waste-weges. Durch Zufall bin ich über dein Buch und den Blog gestolpert. Ich finde es wahnsinnig inspirierend. Hab mich auch immer wieder geärgert, dass wir keinen unverpackt Laden in der Nähe haben, und wohnen relativ ländlich. Da passt es perfekt, dass dein aktueller Blogeintrag genau das zum Thema hat.
    Wir sind hoch motiviert und entdecken noch überall Sachen, die ausgetauscht, reduziert und vermieden werden können.

    Danke!

  3. Ina schreibt:

    Eine Möglichkeit regional und saisonal und auch in der Regel unverpackt einzukaufen, sind die Marktschwärmereien. https://marktschwaermer.de/de Gibt es auch bei uns auf dem Land (bzw in der nächstgrößeren Kleinstadt). Bestellt wird bei deiner Marktschwärmerei online, an einem bestimmten Wochentag kann man dann das Bestellte abholen. Alle Produkte kommen aus der Region. Für den Erzeuger hat das den Vorteil, dass er z.B nur das Gemüse liefern muss, das bestellt worden ist, er hat keinen Überschuss. Und der Kunde hat den Vorteil, dass er viele tolle Produkte von verschiedenen Anbietern an einem Ort abholen kann und nicht z.B. 3 Hofläden abklappern muss.

  4. Talina schreibt:

    Oh hab mich heute morgen sehr gefreut, als ich den Artikel laß, denn wir sind grad aufs Land gezogen 🙂
    Wir haben das Glück, dass wir hier sogar einen Bauern mit Milchautomaten haben, der auch Eier, Äpfel, Apfelsaft Kartoffeln und selbstgemachte Spätzle verkauft. Zwar sind die Dinge verpackt, weil auch die Lebensmittel in einem Automaten stecken, aber die Verpackung kann wieder abgegeben werden und der Bauer verwendet sie wieder. Ich denke Jahreszeitentechnisch kommt noch mehr Gemüse dazu, gibt hier im Dorf noch 2 weitere Bauern.
    Grundsätzlich denke ich allerdings immernoch, dass es einfach sinnvoll wäre, wenn es im Supermarkt Milch, Sahne, Joghurt, Quark, Mais, Kidneybohnen, Saft usw grundsätzlich nur noch im Glas mit Pfandsystem geben würde, damit würde es vielen Menschen gelingen so viel Müll einzusparen, egal ob Stadtmensch oder Landei. Und Gemüse und Obst natürlich verpackungsfrei… ach das wäre so schön.
    Aber es gibt schon viel, was man auf dem Land auch tun kann, und sei es der Bitte keine Werbung Aufkleber am Briefkasten, Wäsche draußen aufhängen usw, sind zwar Dinge wo der vermiedene Müll nicht so sichtbar wird, aber trotzdem Ressourcen gespart werden.
    @ Fjonka: Gibt es bei dir in der Umgebung gar keinen Unverpackt-Laden? Sonst könnte man ja alle paar Wochen eine etwas weitere Fahrt in Kauf nehmen und auf Vorat kaufen. Das ganze kann man ja mit einem schönen Ausflug verbinden. Oder die Bauern in Verbindung mit einer Fahrradtour abklappern, oder auf dem Weg von der Arbeit… uns geht das Auto fahren auf dem Land nämlich auch auf den Geist und wir versuchen so wenig wie möglich zu fahren und wenn dann so effizient wie möglich 🙂

    • Fjonka schreibt:

      Wenn wir Glück haben wird demnächst in „nur“ 25km Entfernung einer aufgemacht. Wir warten allerdings schon übr ein jahr drauf, daß das endlich losgeht. Derzeit ist der nächste 80km entfernt – und ja, ich habe einen Voratskauf getätigt, als ich das letzte Mal dort war. Für Waschmittel etc geht das, für Lebensmittel nicht.
      Das mit der Autofahrerei ist wirklich ein ganz großes Minus. Zumal: je ländlicher, desto schlechter die Öffis. Wir haben hier meist konventionelle Bauern, da wollen wir nicht kaufen. Die Biobauern liegen wirklich weit auseinander, da ist nix mit Radtour…. wir behelfen uns mit dem Bioladen (und dort mit mitgebrachten Dosen und Tüten) und mit Einkäufen, wenn wir mal in die Richtung fahren – so ein Hof-Automat im Dorf ist ja ein Traum, wenn er bio ist (oder man da nicht so viel Wert drauf legt. Regional hat ja auch viel für sich)

  5. Fjonka schreibt:

    Voll erwischt!
    Ich bin auch so ein Landei, das öfters jammert!
    Als ich nun diese Auflistung las, ist mir sofort aufgefallen, woran’s für mich hapert:
    all diese Möglichkeiten, die da für LandbewohnerInnen stehen, sind extrem MÜHSELIG!
    Natürlich könnte ich theoretisch eine SoLaWi versuchen zu gründen (wegen Kundenmangels gibt es die nämlich hier- tadaaa- nur im Umkreis der größeren Städte…) oder X Bauern mit Verkaufsständen abgrasen (weil jeder davon nur 3-4 Produkte anbietet) …. aber praktisch bin ich für ersteres zu faul und letzteres würde bedeuten, weniger Verpackung gegen viel Benzin und Zeit zu tauschen. („Marke Eigenbau“ geht bei uns nicht)
    Und die Sache mit den Aktivitäten ist eine zwiespältige: ich will nämlich nicht ins Dorfgeklüngel! Seit über 20 Jahren halte ich mich erfolgreich da raus und bin meist sehr froh darüber. Mehrfach habe ich Versuche gestartet, bei Aktivitäten, die ich „aus Prinzip“ gut finde, dabeizusein (Bürgerbus, Gemeindehaus…), das hat nie funktioniert.
    Alles Ausreden? Sicherlich.
    Und doch finde ich städtische Möglichkeiten wesentlich einfacher: im Unverpackt-Laden kaufen statt kilometerweit Hofverkäufe abzugrasen, zur Tauschbox/ zum öffentlichen Bücherschrank/ ins RepairCafé gehen statt Nachbarnetzwerke aufzubauen – das ist angenehm anonym und unaufwendig.
    Lange Rede, kurzer Sinn: beim lesen Deines Beitrags und beim schreiben meiner Antwort sind mir meine innerlichen Grenzen sehr viel klarer geworden. Es ist, da hast Du recht, nicht wahr, daß nichts geht auf dem Land – es ist bloß viel unkomfortabler. Also nicht mehr jammern, sondern machen – oder ruhig sein! 🙂
    Ich bin ehrlich genug, nun nicht Besserung zu geloben. Ich werde wohl weiter bei den Möglichkeiten bleiben, die man hier hat, ohne menscheln zu müssen 😉 Und da bin ich dran, immerhin: https://fjonka.wordpress.com/category/haus-hof/kleinvieh/

    • Fussel schreibt:

      Alle Möglichkeiten auf dem Land mühselig? Hm.
      Vieles beim Einkaufen ist sicher weiter und mühsamer. Den Streß eine SoLaWi selbst zu gründen kann und möchte sich sicher auch nicht jeder antun (ich bin Mitglied in einer und nicht eines der aktivsten, würd ich gar nicht schaffen).
      Aber z.B. selber Kompostieren erspart einem das Beschaffen und Herankarren von frischer Blumenerde/Kompost und man weiß genau, was man da reingeschmissen hat (eben nicht die super-behandelten Bananen- oder Zitrusschalen …) .
      Auch in der Stadt ist der Unverpacktladen nicht unbedingt um die Ecke. Ich fahre da ca. einmal die Woche hin, allerdings mit Öffis oder dem Fahrrad und das ist für mich ein Umweg von ca. einer halben Stunde. Deshalb auch nur einmal die Woche.
      Übrigens haben manche Biosupermärkte inzwischen auch ein loses Angebot (Biocompany z.B.) für Trockenprodukte wie Reis, Hülsenfrüchte oder Nudeln.
      Was Beeren- und Pilzesammeln anbelangt, empfinde ich das eher als Bestandteil meiner Erholung und nicht wirklich als Arbeit. Klar, das Marmeladekochen nach dem Beerensammeln macht Arbeit, aber die lohnt sich wiederum 🙂 Ansonsten kann man ja noch einfrieren oder einfach so genießen. Dito für die „Abfallfrüchte“ aus anderen Gärten. Wenn man Angst vor der sozialen Verpflichtung hat, kann man ja gleich mit ein-zwei Gläsern des Endprodukts „bezahlen“, dann erledigt sich das gleich.
      Fjonka, warum geht bei Euch eigentlich „Marke Eigenbau“ beim Gemüse nicht? Ich dachte, ihr habt einen großen Garten mit Bienchen drin? (Das soll keine Anschuldigung sein, reine Neugier!)

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